7 Entscheidungen, die du für eine bewusste Vaterschaft treffen musst

Der Ganzheitliche Mann als Vater

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Für Männer, die ihre Vaterschaft auf neue Art und Weiße leben wollen.

Hier geht es andere Art des Vaterseins. Wie kann sich der ganzheitliche Mann als guter Vater positionieren, ohne seine Bedürfnisse zu vernachlässigen

Klarheit vs. Abhängigkeit

Wir können nicht alles haben! Woran Mütter seit Jahrzehnten weitestgehend scheitern, spüren wir auch bei uns: Vereinbarkeit von Arbeit und Familienleben ist eine Illusion! Zumindest dann, wenn Arbeit den Großteil der Wochenstunden ausmacht und unsere Vaterrolle über die Wochenend-Bespielung hinausgehen soll. Wie wichtig ist mir die Zeit mit meinen Kindern? Kann und will ich meine berufliche Weiterentwicklung hinten anstellen? Macht das wirklich Sinn, was ich da den ganzen Tag mache? Wo befinde ich mich in unnötigen Abhängigkeiten? Wie wollen wir leben und was brauchen wir am Ende wirklich?

Diese oder andere Fragen müssten gestellt werden, um den Prioritäten gerecht zu werden. Alles zusammen zu versuchen, wird scheitern. Und gerade wenn wir kleine Kinder haben, ist es wesentlich für die Vater-Kind-Beziehung, wie präsent wir wirklich sein können. Hier so früh wie möglich Klarheit in der Frage – Was für ein Vater will ich sein? – zu haben, kann den Druck reduzieren und euer Familienleben drastisch entspannen.

Freiheit vs. Unterwerfung

Wenn wir als Väter in völliger Überschätzung versuchen, sämtliche Erwartungen inklusive unseren eigenen zu erfüllen, werden wir nirgendwo zufrieden zurückblicken. Wir werden im schlimmsten Fall zerfressen von schlechtem Gewissen und Selbstvorwürfen enden, möglicherweise getrennt, ausgebrannt, sinnentleert. Das klingt dramatisch, erlebe ich aber jede Woche in meiner Beratung.

Wenn unsere gefühlte Freiheit zutiefst eingeschränkt wird: Dann erleben wir neben der tiefen Freude auch den Frust, die Erschöpfung, die Wut und die Trauer, die sich dadurch entwickeln kann.

Bedürfnisorientiertes Elternsein bezieht die gesamte Familie mit ein: Nur wenn meine Bedürfnisse auch ihren Platz finden, kann ich halbwegs ausgeglichen und zufrieden Partner und Vater sein. Wenn ich keine Zeit finde bzw. mir nehme, die mir Ausgleich schafft, die mir das Gefühl von Selbstwirksamkeit und Freiheit ermöglicht, entwickelt sich ein Level an Frustration, das immer mehr an meiner Zufriedenheit nagt. Es ist meine Aufgabe, das zu gestalten und einzufordern. Für die meisten von uns ist das ein langer Prozess kleiner, oft schmerzvoller Schritte. Oder aber ein Resultat des Zusammenbruchs vor der sprichwörtlichen Wand: Gerade die Erfahrung der Ohnmacht ist die schlechteste Basis für liebevolle Beziehungen.

Sicherheit vs. Abenteuer

Während viele von uns die Jahre vor dem ersten Kind wunderbar damit gelebt haben, unzählige Risiken und Unverbindlichkeiten einzugehen, ist das womöglich schon mit der Schwangerschaft vorbei. Plötzlich wird uns bewusst, dass wir Verantwortung haben und wir uns entscheiden müssen, ob wir uns dem stellen, mit allen Konsequenzen. Natürlich werden wir auch mit unseren Kindern Abenteuer erleben, aber der Blick auf das Verhältnis von Sicherheit und Risiko wird ein anderer sein und so gut wie alle unsere zukünftigen Entscheidungen beeinflussen. Es ist hilfreich, uns das bewusst zu machen und immer wieder daran zu erinnern, warum wir uns möglicherweise einschränken: Um unseren Kindern die bestmöglichen Bedingungen für ihre Entwicklung zu geben, so lang und gut wie möglich für sie da sein zu können.

Eigenständigkeit vs. Gleichheit

Es ist ein immer wieder gehörter Spruch: Wie dürfen keine zweite Mutter werden! Können das im Grunde auch nicht. Und dennoch versuchen wir es oder legen Maßstäbe an, die nicht die unseren sind. Für unsere Kinder ist es viel erfahrungsreicher, wenn wir gerade nicht gleich handeln, oder gar versuchen, gleich zu sein. Wir sind im besten Falle als Väter wichtigste männliche Bezugsperson und bieten gerade dadurch so viel Wertvolles an. Wir reifen als Männer schneller und werden zufriedener, wenn wir immer eigenständiger, selbstbewusster unsere Form der Vaterschaft, der Elternschaft entwickeln. Dabei können uns die Mütter unserer Kinder Impulse geben, kopieren können wir sie aber nicht.

Auch sind wir nicht unsere Eltern, unsere Väter! Unsere eigene Vergangenheit als Kind und die Erfahrungen, die uns zu dem gemacht haben, der wir sind, werden uns in vielen kleinen und großen Momenten in Erinnerung gebracht. Was für eine Vatererfahrung habe ich? Was möchte ich davon auch an mein Kind weitergeben? Was will ich unbedingt ändern? Was hat mir in meiner Kindheit gefehlt, dass ich jetzt stärker darauf achten kann? Wie ist meine Mutter mit mir umgegangen, wie habe ich sie in ihrer Elternbeziehung erlebt?
Viele dieser Fragen können auftauchen, wenn wir überlegen, was jetzt das Richtige für uns und unser Kind wäre, das meiste spielt aber unbewusst eine Rolle, in dem was wir dem Kind weitergeben, wie wir mit ihm kommunizieren und was wir von uns zeigen und erwarten. Seid bei der „Übergabe an die nächste Generation“ achtsam, beobachtet euch und entscheidet euch für Wege, die gut zu euch passen, die sich gut anfühlen. Bleibt dabei in der Lage, Fehler anzuerkennen und im Zweifel Neues zu probieren.

Entwicklung vs. Stillstand

Es gibt keinen Standardkatalog, keinen Werkzeugkoffer, keine Gebrauchsanleitung für eine gute Vater-Kind-Beziehung, auch wenn das die vielen Buchtitel suggerieren. Auch wenn einzelne Kniffe helfen mögen: Das Fundament für eine gelassene & souveräne Vaterschaft liegt in der Haltung, permanent (von unseren Kindern) zu lernen, sich selbst zu reflektieren, sich ernst zu nehmen und Schritt für Schritt eigene Antworten auf Konflikte und die Alltagsgestaltung zu finden. Unsere “dunklen” Seiten werden uns von unseren Kindern direkt widergespiegelt, manchmal so heftig, dass wir erschrocken, ja schockiert über uns selbst sind. Wenn wir unsere Kinder nicht ernst nehmen, sie (unbewusst) vielleicht erniedrigen oder (emotional) verletzen, können wir spüren, wie sich das anfühlt, vielleicht sogar bei uns als Kind angefühlt hat. Wir können innehalten, uns reflektieren und Dinge anders, besser machen. Wir können uns bewusst dafür entscheiden, nicht alles gleich wissen zu müssen, sondern von und mit unseren Kindern zu lernen. Wenn wir immer mit den gleichen Rezepten und Verhaltensweisen Anderes erreichen wollen, werden wir scheitern. Wir müssen selbst herausfinden, was gut für uns und unsere Kinder funktioniert. Stillstand ist da keine Option.

Würdigung vs. Banalisierung

Gebt euch nicht damit zufrieden, für Selbstverständliches hochgelobt zu werden oder besondere Anerkennung zu erwarten. Vieles von dem, was „bewusste“ Väter heute tun, ist für viele Mütter seit Jahrzehnten, vielleicht Jahrhunderten Standard. Was wir aber würdigen sollten, ist, dass wir dran bleiben, gute vertrauensvolle Beziehungen zu unseren Kindern aufzubauen und zu halten. Dass uns kleine, verbindende Momente zeigen, dass wir (doch) auf einem guten Weg sind. Dass wir uns bewusst entschieden haben, Abstriche in anderen Lebensbereichen zu machen, um als Vorbild, als zentrale Bezugsperson neben der Mutter für unsere Kinder da zu sein.

Unsere Belastungsgrenzen werden wir immer wieder sehr präsent haben und oft fühlen wir uns zerrissen angesichts der vielen unterschiedlichen Verantwortungen. Es sind keine Banalitäten, die Eltern jeden Tag zu leisten haben und es lohnt sich, sie beim anderen Elternteil und bei uns selbst wertzuschätzen.

Gemeinschaft vs. Einzelkämpfer

Wir Männer sind es gewohnt, für alles eine Lösung allein finden zu müssen. Diese Lösung muss dann auch noch möglichst mechanisch kalkulierbar sein, unser Einsatz dabei vielleicht auch noch heldenhaft. Aber wie auch Mütter können wir dazu stehen, dass wir als bewusster, beziehungsorientierter Vater mehr als einmal an unsere Grenzen kommen, immer und immer wieder. Und gerade dann ist es wichtig, dass wir das nicht mit uns selbst ausmachen: Dafür ist der Preis zu hoch, unsere Energie zu gering um trotzdem noch präsent und zufrieden zu sein. Tausche Dich aus, mit der Mutter Deiner Kinder, mit Freunden und anderen Vätern in Deiner Region. Wie bei vielen anderen Themen lohnt es, sich weiterzubilden, zu lernen, andere Erfahrungen zu hören. Vielleicht gibt es auch in Deiner Nähe einen „Vaterkurs“.

Elternschaft ist wohl die größte Herausforderung, der wir uns im Leben stellen dürfen & müssen, nicht zuletzt weil sie alle anderen Lebensbereiche fundamental beeinflusst und verändert. Die Frage ist nur, gestalten wir diese Veränderungen bewusst oder lassen wir uns von ihnen so lang treiben, bis wir weit weg sind von dem, was wir uns vom Vatersein einmal erträumt hatten. Entscheide Dich!

 

 

 

 

 

 

Carsten Vonnoh
Über Carsten Vonnoh 2 Artikel
2018 habe ich mich aufgemacht, Väter auf ihrem spannenden Weg und in Krisen zu begleiten. Dabei habe ich unzählige Gespräche mit Vätern geführt und viele länger begleiten dürfen. Mit einer fundierten Ausbildung und mittlerweile intensiver Erfahrung freue ich mich über die vielen neuen Möglichkeiten, die uns Vätern in unserer Generation offen stehen.

Als freier Berater will ich den gängigen Angeboten von Psychotherapie und Selbsthilfegruppen einen pragmatischen Ansatz für Männer zur Seite stellen, immer auf der Basis neuester Forschung, mutiger Selbstreflektion und gegenseitigem Respekt.

Ich habe selbst heftige Krisen als Vater zweier Kinder und Freiberufler überwunden und arbeite seit einiger Zeit mit Männern in ähnlichen Situationen, in Seminaren, Einzelberatungen und online. Meine Klienten sind v.a. Väter, die es gewohnt sind, Verantwortung zu übernehmen und sich eine tragfähige & entspannte Beziehung zu ihren Kindern wünschen.

Auch unabhängig von akuten Krisen, arbeite ich mit Vätern, die sich selbst weiterentwickeln & die bestmöglichen Rahmenbedingungen für ihre Kinder schaffen wollen – im intensiven Austausch mit anderen Vätern und auf dem neuesten Stand von Wissenschaft & umfangreicher Erfahrung (siehe Seminare).
Carsten im Web
www.vaterverantwortung.de

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