Die häufigsten Vatertypen

Zu welchen gehört dein Vater?

In meiner langjährigen Arbeit mit Männern, sei es als Männer-Coach, in Männer-Gruppen oder während meiner ehrenamtlichen Arbeit bei ManKind Project Deutschland, konnte ich immer wieder feststellen, dass es verschiedene Arten von Vätern gibt, unter denen Männer in unterschiedlicher Art und Weise leiden.

In diesem Artikel benenne und beschreibe ich diese Arten von Vätern. Es geht mir nicht darum, die Väter schlecht zu machen. Die meisten Männer wollten das Beste für ihre Söhne und sie haben auch das Bestmögliche gegeben, zu dem sie in der damaligen Situation fähig waren.  Aber sie waren aus den verschiedensten Gründen oft nicht der Vater, der sie hätten sein können.

Was meine ich damit?
Das Leben der Generation unserer Väter war geprägt von Krieg und Nachkriegszeit. Das Leben war hart und für viele ginge es dabei um das nackte Überleben. Der Mann lebte noch in der traditionellen Rolle des Ernährers und Versorgers der Familie. Viele arbeiteten sechs Tage pro Woche und hatten dadurch wenig Zeit für sich selbst.

Dinge wie Persönlichkeits-Entwicklung oder Männer-Arbeit waren in der Regel nicht bekannt. Die Männer hatten keinen oder wenig Zugang zu ihren Gefühlen und zu ihrem Innenleben.

Dadurch blieben diese Männer in dem damals vorherrschenden Männerbild hängen und hatten keine Chance, sich weiter zu entwicklen. Ihnen war oft nicht bewusst, welche Bedürfnisse der Sohn oder die Tochter hatten bzw. was sie von ihm als Vater gebraucht hätten.

Diese Männer waren keine schlechten Väter. Sie haben das getan, was damals quasi für einen Mann „normal“ war und sich dem damaligen Männerbild entsprechend verhalten.

Es geht hier also nicht um Schuldzuweisungen oder darum, den Vater schlecht zu machen. Mir geht es darum, die Fakten aufzuzeigen und die heutigen Männer dabei zu begleiten, diese alten Vaterwunden zu heilen. Dadurch wird es möglich, ohne die einengenden Energien der väterlichen Altlasten ihr Leben als ganzheitliche Männer zu leben und die höchste Version von sich selbst zu erschaffen.

Welche Vatertypen gibt es?

  • Der dominante Vater
  • Der gewalttätige Vater
  • Der destruktive Vater
  • Der emotional abwesende Vater
  • Der schwache Vater
  • Der abwesende Vater

Der dominante Vater
Der dominante Vater ist in seinem eigenen Leben bzw. seinem Beruf meist klar aufgestellt. Er kann dort Regeln anerkennen und befolgt sie auch. Er erwartet dies auch von seinem Sohn. Er stellt Regeln für ihn auf, weil er glaubt, dass er genau weiß, was das Beste für seinen Sohn ist. Er erwartet, dass der Sohn diese Regeln peinlichst genau einhält und versucht, diese bei ihm durchzusetzten.

Im Grunde will dieser Vatertyp nur das Beste für seinen Sohn. Er selbst hat in seinem Leben die Erfahrung gemacht, dass ihm nichts geschenkt wurde und dass er nur mit eiserner Disziplin und durch die Einhaltung von Regeln erfolgreich wurde. Letztlich will er durch sein Verhalten dem Sohn gegenüber den Jungen lebenstauglich machen, damit er den Widrigkeiten des „feindlichen Lebens da draußen“ etwas entgegen setzen kann.

Der Junge wird in der Regel nichts von der wohlmeinenden Absicht des Vater mitbekommen. Er erlebt den Vater als rigide und starr in seinen Ansichten und fühlt sich in seiner Entwicklung eingeschränkt.

Er kann den Anforderungen des Vaters nicht gerecht werden, fühlt sich deshalb minderwertig bzw. nicht gut genug. Möglicherweise spielt er dem Vater etwas vor, um ihn zufrieden zu stellen.  Er entwickelt quasi ein falsches Selbst und kann nicht so sein wie er wirklich ist. Das führt zu einer inneren Zerrissenheit und einem inneren Spannungsfeld. In der Pubertät wird der Sohn dann immer offener gegen den Vater rebellieren. Dies führt dann oft zu einem tiefen Bruch mit dem Vater, der vielleicht nie mehr heilt.

Ist der Junge eher sensibel und introvertiert, wird er sich auch als erwachsener Mann minderwertig und unfähig fühlen. Der ständige Druck und die Unmöglichkeit, den Ansprüchen des Vaters gerecht zu werden, hat ihn innerlich klein gemacht und das spiegelt sich dann in allen Lebensbereichen wider.

Der gewalttätige Vater
Der gewalttätige Vater hat oft ein Autoritätsproblem. Tief in seinem Innern ist er verunsichert und fühlt sich schwach und klein. Er kann das aber nicht vor sich selbst zugeben. Er fordert von dem Sohn Respekt und die Anerkennung seiner Autorität als Vater ein.

Der Sohn nimmt dies unbewusst wahr und wird immer wieder seine Grenzen dem Vater gegenüber austesten. Damit kann dieser Vatertyp aber nur schlecht umgehen und das einzige Mittel, das ihm bleibt, ist, dem Sohn mit körperlicher Gewalt zu antworten.

Hier ist er dem Sohn (noch) überlegen. So kann er in seinen Augen die Autoriät gegenüber dem Sohn bewahren und deutet die Angst des Sohns möglicherweise als Respekt. Dadurch hat er scheinbar durch sein gewalttätiges Verhalten erreicht, dass der Sohn seine Autorität als Vater anerkennt und ihm Respekt zollt.

Oft hat der Vater nach einem erneuten Gewaltausbruch anschließend ein schlechtes Gewissen dem Sohn gegenüber, kann ihm das aber nicht angemessen vermitteln. Das erzeugt bei dem Sohn eine Ambivalenz. Er kann den Vater gar nicht einschätzen, sondern erlebt ihn als unberechenbar.

Der Vater, der sich ihm gerade noch zugewandt hat, um sein schlechtes Gewissen zu beruhigen, kann sich im nächsten Moment wieder in den prügelnden Vater verwandeln.

Für den Sohn hat dieses Verhalten verheerende Folgen. So lernt er zum einen, dass Gewalt ein adäquates Mittel ist, sich gegenüber anderen Menschen durchzusetzen. Er muss sich nicht mit sich selbst auseinander setzten und Konflikte mühsam durch Gespräche klären, sondern schlägt einfach zu.

Zum anderen wird der Sohn unsicher den Unbilden des Lebens gegenüber stehen. Die fehlende Wertschätzung des Vaters und die erlittenen körperlichen Qualen lassen ihn im Innern immer unsicher sein und er wird versuchen, dies durch körperliche Gewalt seinen Mitmenschen gegenüber auszugleichen.

So schließt sich der Kreis.

Der destruktive Vater
Der destruktive Vater ist in der Regel mit sich und der Welt unzufrieden und möglicherweise gefrustet darüber, dass er in seinem Leben nicht das erreicht hat was er gerne wollte. Er findet daher im Außen alle möglichen Gründe, warum dies so ist. Er selbst hat damit nichts zu tun, es sind immer nur die anderen oder die Ungerechtigkeit der Welt.

Diese Negativität überträgt er auf den Sohn. Er wird überwiegend die Seiten seines Sohnes wahrnehmen, die er als negativ beurteilt und entsprechend negative Urteile über den Sohn fällen.

Bei dem Sohn werden diese negativen Botschaften ein tiefes Minderwertigkeitsgefühl erzeugen und es kann passieren, dass er bei wichtigen Entscheidungen im späteren Leben versagt, weil er ein negatives Selbstbild hat. Damit erfüllt er quasi  die negative Sicht, die der Vater von ihm hatte.

Der emotional abwesenden Vater
Der emotional abwesende Vater ist zwar körperlich anwesend, ist aber für den Sohn nicht spürbar. Er lebt oft in seiner eigenen Gedankenwelt und will seine Ruhe haben, wenn er abends von der Arbeit nach Hause kommt. Er schaut dann TV oder liest ein Buch und nimmt den Sohn nicht war. Wenn der Sohn seine Aufmerksamkeit erlangen möchte, dann wird er kaum reagieren bzw. sagen, dass er jetzt keine Zeit habe und sich von der Arbeit erholen müsse usw. 

Der Sohn wird dann irgendwann resignieren und den Vater weitestgehend in Ruhe lassen. Er fühlt sich vom Vater ignoriert und nicht gesehen. Er muss seine Kindheit und Jugend ohne die nährende Unterstützung des Vaters verbringen, was dazu führen kann, das er kein gesundes Mannsein entwickelt.

Möglicherweise wird die Mutter des Jungen auch unter dem emotional blockierten Vater leiden und die Erfüllung ihrer emotionalen Bedürfnisse auf den Sohn übertragen und ihn mit ihren Gefühlen überfluten.

Damit ist der Sohn überfordert und kann sich dagegen nicht wehren. Unbewusst errichtet er eine innere Sperre und es wird im schwerfallen, als Erwachsener seine Emotionen gegenüber anderen Menschen, insbesondere seiner Frau und den Kindern, auszudrücken.

Der schwache Vater
Der schwache Vater ist meist in einem Opfergefühl gefangen. Dies kann in allen oder auch nur in einzelnen Lebensbereichen der Fall sein. Ihm mangelt es an Selbstbewusstsein und Durchsetzungsvermögen.

Im häuslichen Bereich bedeutet das meist, dass er sich nicht gegen seine Frau durchsetzen kann. Er sagt zu allem Ja und Amen und hat keine eigene Meinung.

Er kann dem Sohn kein gesundes und kraftvolles Männerbild vorleben. Wenn es darum geht, den Sohn aus dem mütterlichen Umfeld in die Welt und ins Männerleben zu führen, wird er versagen.

Für den Jungen bedeutet das, dass er sich nicht gegen den mütterlichen Einfluß abgrenzen kann. Er wird möglicherweise zum Muttersöhnchen, das später niemals seiner Frau auf Augenhöhe gegenüber stehen und seinen Platz als Mann nicht einnehmen kann.

Der abwesende Vater
Der abwesende Vater ist überhaupt nicht präsent im Leben des Sohnes. Er hat sich nach der Trennung von der Mutter oder auch direkt nach der Zeugung aus dem Staub gemacht. Der Sohn kennt ihn nur aus der Erzählung der Mutter oder anderer Verwandter.

Er wird ihn möglicherweise anfangs gar nicht vermissen, im Gegenteil, denn er hat die ungeteilte Aufmerksamkeit der Mutter. Erst ist mir Beginn der Pubertät oder als junger Erwachsener wird er realisieren, dass er seinen Vater schmerzhaft vermisst hat.

Die Nicht-Existenz des Vaters hinterlässt im Leben des Jungen oft ein diffuses Gefühl der Schutzlosigkeit. Unbewusst fühlt er sich nicht sicher im Leben, denn ihm fehlt die schützende Energie des Vaters im Rücken. Als Erwachsener ist er oft zögerlich in seinen Entscheidungen und möchte am liebsten gar nicht auffallen.

Kann man dagegen etwas tun?
Kann man die negativen Auswirkungen auf den Sohn durch das dysfunktionale Verhalten des Vaters im Nachhinein mildern oder gar gänzlich heilen?

Natürlich können diese Dinge nicht rückgängig gemachet werden und die Vergangenheit bleibt die Vergangenheit.

Die Versöhnung mit dem Vater stellt für einige Männer einen echten Meilenstein in ihrem Leben dar. Sie spüren, dass sie sich dadurch wieder mit der männlichen Kraft in ihrem Leben verbinden, von der sie lange abgeschnitten waren.
Bjørn Thorsten Leimbach

Glücklicherweise gibt es Möglichkeiten die Belastungen, die durch den Vater entstanden sind, aufzulösen.

Die Vaterwunde ist heilbar!

Die Narben bleiben, aber der Sohn wird nach der Aussöhnung mit dem Vater freier und unbelasteter durchs Leben gehen und erst dann die Möglichkeit haben, sein volles Potenzial zu entfalten.

Die Aussöhnung macht ein Mann nicht für den Vater, sondern immer nur für sich selbst. Sie ist auch möglich, wenn der Vater schon verstorben ist oder wenn überhaupt kein Kontakt mehr besteht. Es kann sein, dass sich dann auch das Verhältnis zu dem realen Vater bessert, aber das ist lediglich ein positiver Nebeneffekt.

Was noch zu sagen bleibt
Ich möchte die hier skizzierten Vatertypen nicht als absolut verstanden wissen. Jeder Mensch ist individuell und Väter können natürlich mehrere Seiten aufweisen. Auch habe ich hier nur die dysfunktionalen Ausprägungen beschrieben, dir mir in meiner langjährigen Arbeit mit Männer vorgekommen sind. Das sind die Aspekte, die den Mann noch als Erwachsenen belasten.

Von einigen Typen gibt es auch Mischformen oder es existieren negative Verstärker, z.B. wenn der Vater Alkoholiker war.

Den guten, nährenden und unterstützenden Vater habe ich hier gar nicht aufgeführt, weil dieser in der Arbeit mit Männer zunächst keine Rolle spielt. Die meisten Männer haben auch diese positiven Anteile in sich und leben sie im Kontakt mit dem Sohn.

Ich bin in meinen Ausführungen nur auf die Auswirkungen der negativen Vateranteile auf den Sohn eingegangen. Natürlich leiden Töchter ebenso darunter, möglicherweise auf eine andere Art und Weise. Dieses Thema gehört allerdings nicht zu meiner Kernkompetenz und wird deshalb an dieser Stelle außen vorgelassen.


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Über Tom Süssmann 50 Artikel
Tom Süssmann ist Jahrgang 1957 und hat zwei Söhne (geb. 1994 und 1999).

Tom Süssmann versteht sich selbst als Botschafter der Männersache.

Er beschäftigt sich schon seit 2006 mit dem Thema Männer-Arbeit und ist selbst durch viele Höhen und Tiefen des Mannseins gegangen.

Tom heute: "Die Männer-Arbeit hat mein Leben gerettet."

Tom begleitet als Männer-Coach andere Männer auf deren Weg zu einem authentischen Mannsein. Dazu hat er das Konzept "Einfach Mannsein!" entwickelt.

Mit den Basics als Mann gibt Tom Männern ein solides Fundament für ihrSelbstverständnis als Mann:
  • ■ Die Aussöhnung mit dem Vater
  • ■ Die gesunde Ablösung von der Mutter
  • ■ Emotionale Abhängigkeiten vom Weiblichen beenden
  • ■ Warum bist du hier?

Tom hat 2016 das www.MaennerPortal.Net (MPN) gegründet. Ein Portal, auf dem die verschiedensten Aspekte des Mannseins beleuchtet werden. Es ist mittlerweile eine beliebte Anlaufstelle für Männer, die sich mit dem Thema auskennen, aber auch für Männer, die erst anfangen. sich darüber zu informieren.

Mittlerweile hat sich das MPN zur Nr. 1 für Männer-Arbeit im deutschsprachigen Raum entwickelt.

Tom im Web:
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