Taiji (Tai Chi) ist gut für den Mann in dir

Taiji stärkt den Mann in dir

Foto: Pixabay | kalhh

Ich spüre mich gerne als Mann, du auch? Wann ist dir bewusst, dass du ein Mann bist? Ich spüre mich mehr als Mann, wenn ich mich bewege und nicht nur auf dem Stuhl sitze. Unser Körper ist das Haus das wir bewohnen und wenn wir es pflegen, dann fühlen wir uns wohler.

Es mag vielleicht sonderbar klingen, aber ich nehme mich als Mann besonders beim Üben von Taiji und QiGong wahr. Dass Bewegung für uns alle wichtig ist, ist eine Binsenweisheit aber warum gerade diese langsamen und komplexen Bewegungen? Hier meine Gründe dir das zu empfehlen:

Mann sein zwischen Tradition und Moderne – Herausforderung Balance
Als Mann bewegst du dich heute zwischen verschiedenen Polen. Du solltest sanft sein, nicht aggressiv, nicht zu dominant und dennoch kraftvoll sein, Stehvermögen und Rückgrat haben. Du solltest wissen wer du bist und was du kannst und selbstbewusst, mit einem guten Wertesystem ausgestattet, durch die Welt gehen.

Dabei steht dir etwas Demut gut, aber auf keinen Fall Arroganz. Ach ja und Achtsamkeit in deinem Leben zu haben, wäre auch sehr wichtig, damit du nicht ausbrennst und das Leben genießen kannst. Bewegung hilft dich in die Balance zu bringen: Selbst wenn man nur auf beiden Beinen steht, bist du immer damit beschäftigt sich auszugleichen. Und Taiji ist geradezu ein Booster um dich ins Gleichgewicht zu bringen.

Was passiert im Taiji
Dem Taiji liegt eine Vorstellung von unserer körperlichen Konstruktion zu Grunde, die sich auch in der traditionellen chinesischen Medizin findet. Sie geht davon aus, dass es in unserem Körper tausende von kleinen Kanälen (in der chinesischen Medizin sind das Meridiane) gibt, die Flüssigkeiten, Sauerstoff und Energie (im Taiji nennt man dies auch Chi) transportieren.

Wenn diese Kanäle blockiert, abgeknickt oder verletzt sind, oder wenn Körperenergien nicht ausgeglichen sind, gerät unser System in Unordnung. Die Folge sind Beschwerden oder Krankheiten. Taiji kombiniert Körperhaltungen (eher stehende Positionen) und Bewegungsabläufe, die sanften Druck auf den Körper ausüben und so Blockaden lösen. Dabei wird besonders auf die Wirbelsäule geachtet. Krankheiten in inneren Organen oder im Bewegungsapparat lösen früher oder später eine Blockade in der Wirbelsäule aus.

Rückenschmerzen sind ein Volksleiden überall auf der Welt, wo Menschen sich zu wenig bewegen und immer mehr im Stress erstarren. Eine flexible und durch Muskeln gut gestützte Wirbelsäule ist das Ziel der Körperarbeit im Taiji und Qigong und sie ist der Körperteil, der zum Erreichen von Balance essentiell ist.

Die Pole Yin und Yang
Nun, ich bin davon überzeugt, dass diese Balance, die wir Männer täglich hin bekommen müssen durch die komplexen Bewegungen von QiGong und Taiji gefördert wird. Im Taiji und Qigong sind es die zwei Pole Yin und Yang die in Dualität immer gleichzeitig existieren und zusammen gehören, lediglich die Gewichtung schwankt hin und her. Das eine kann nicht ohne das andere sein. Wir beginnen mit QiGong um uns zu aufzuwärmen. Das hilft Verspannungen die durch häufiges Sitzen und einseitige Bewegungen, die über den Tag entstanden sind, sanft auszugleichen.

Bei Qigong und Taiji werden diese Pole Yin und Yang in Leichtigkeit ausgeglichen. Energie kann wieder besser durch deinen Körper fließen, weil sich sanft Blockaden lösen. Das alles ohne Geräte oder Hilfsmittel, sondern durch Bewegungen des eigenen Körpers und immer nur so weit wie es gerade individuell der eigene Körper zulassen kann.

Sanftheit lernen – geht das?
Taiji ist sanft und trotzdem voller Power, aber eben in einem anderen Sinne. Man kann Taiji mit Wasser vergleichen, es ist geschmeidig statt hart und dennoch kraftvoll.

Taiji ist nicht kräfteraubend, sondern kraftspendend. Taiji ist langsam und dadurch beruhigt es den Geist. Ein regelmäßiges Üben erzeugt Tiefenwirkung, man wird auch geschmeidig im Denken und nicht nur in den körperlichen Bewegungen. Zuerst hat man das Gefühl dass die Bewegung den Geist lenkt aber irgendwann dreht sich das um und es wird eine geistig geleitete Bewegung.

Das alles lädt dich praktisch auf, du sammelst Energie. Bei regelmäßigem Üben hinterlässt das Spuren, du veränderst dich, nicht nur im Körper, zumindest stimmt dies für mich und für einige Mitschüler.

Körperarbeit als der Weg zu neuen Erkenntnissen
Erinnerst du dich an die Schulzeit? Damals war das Lernen aus Büchern angesagt das hat bestimmt nicht immer gefallen. Lernen im TUN ist eben ein Weg der tiefer geht und nachhaltiger sein kann. Taiji ist aber kein Wundermittel, alles kann man im Leben falsch machen, auch das Üben von Taiji. Es gibt verschiedene Arten Taiji zu üben, eben mit der Einstellung, dass es zur Entspannung dient, also eher meditativ, oder mit der Betonung auf Ausgleich, also mit mehr Dehnung aber auch mit der Einstellung des Suchenden, der dann immer genauer in sich hinein spürt und die Bewegungen tiefer und tiefer erforscht.

Taiji ist ein Ablauf von Bewegungen die für Krieger gemacht worden sind, sie sollten Krieger stärken und schnell werden lassen, im Prinzip ist Taiji auch Kampfsport, aber eher in sehr fortgeschrittenem Zustand. Taiji nährt auch den Krieger in dir, das sind die Ursprünge dieser Bewegungsform, das sollte man beim Üben nicht vergessen. Es hilft sich mit der Vorstellung zu bewegen, dass diese Bewegungen auch zur Selbstverteidigung gedacht waren.

Es tut aber auf jeden Fall gut den „Krieger in dir“ anzuerkennen und das passiert beim Üben. Da Taiji aber auch dein Rückgrat stärkt was Auswirkungen auf deinen Gang und deine Würde hat, wird auch der „König in dir“ angesprochen. Durch den Dialog zwischen Körper und Geist wird Selbsterkenntnis gefördert und Qualitäten des „Weisen in dir“ genährt.

Darum Taiji und QiGong
An 2 Tagen in der Woche übe ich länger, so ca. 3 Stunden, dann spüre ich mich sehr gestärkt und wach. Diese Stärke habe ich auch am Morgen danach, die Übungen sind also tief gedrungen, es ist eine echte innere Stärkung geworden.

Ich mache auch anderen Sport, denn Taiji ist nicht so gut geeignet um die eigene Kondition zu verbessern, da ist es besser zu joggen, zu schwimmen oder ähnliches. Oft gehen Männer ins Fitnesscenter und stemmen Gewichte um ihre Muskeln aufzubauen oder mehr Kraft zu entwickeln.

Nach solchen Bewegungen ist man doch eher erschöpft und ausgepowert, nach Taiji ist man das in der Regel nicht und trotzdem kann man am anderen Morgen Muskelkater haben.

Taiji ist ein Weg, ein sehr spannender und langer Weg, ein Weg der nie zu Ende ist, Taiji kann man bis ins hohe Alter üben und dabei immer noch neue und interessante Aspekte entdecken.

Für mich ist Taiji ein wichtiger Bestandteil meines Wochenrhythmus und ein Element, das mir hilft meine Balance, körperlich und geistig, immer wieder zu finden. Es stärkt mich um den Alltag zu bewältigen, Energie zu sparen, es hilft mir Stress abzubauen und ein Wohlfühl-Bewusstsein in meinem Körper zu erkennen und immer wieder einzustellen.

Natürlich ist Taiji für jeden Menschen gut. Aber für uns Männer hat es aus meiner Sicht den besonderen Effekt Sanftheit mit Kraft zu verbinden, Elastizität mit Stärke, Yin und Yang, dazu verbindet es Souveränität mit Demut.

Taiji ist für mich der Mörtel der es mir erlaubt zwischen diesen verschiedenen Ufern verbindende Brücken zu bauen und das Leben einheitlicher zu betrachten. Mein Körper zeigt mir das beim Üben und später verstehe ich das dann auch in meinem Verstand.

Taiji: Taijiquan (auch Taichi, Taichi Quan, Tai Chi Chuan) ist die Synthese einer langen Tradition von Bewegungsübungen die aus China kommt. Kampfkunst zum einen, Gesundheitsübung zum anderen und hat seine Wurzeln im Taoismus. Schenkt man einer schönen Überlieferung Glauben, so war es ein taoistischer Eremit mit Namen Chang San Feng, der im 12. Jahrhundert das Tai Chi Chuan entwickelte, nachdem er den Kampf zwischen einer Schlange und einem Kranich beobachtet hatte. Qigong ist wesentlich älter und wird seit über 2000 Jahren geübt.

Qigong  ist eine chinesische Meditations-, Konzentrations- und Bewegungsform zur Kultivierung von Körper und Geist. Es beinhaltet die Arbeit mit der Lebensenergie und das Erlangen von Fertigkeiten im Umgang mit der Lebensenergie. Qigong wird meist in überschaubaren “Sets” geübt, die ganz unterschiedlichen Ursprungs sein können.

Carsten Friedrich
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Mein Name ist Carsten Friedrich. Mit 54 Jahren intensiv gelebten Lebens und 3 erwachsenen Kindern, stehe ich nun in einer wunderbaren, neuen Partnerschaft. Der Ruf, mehr Mann zu leben als ich bisher gelebt habe, aber auch anders Mann zu leben als mir mitgegeben wurde, führt mich seit ca. einem Jahr zur Männerarbeit. In 'meiner' Männergruppe in Stuttgart finden sich Kraft und Zartheit, Wildheit und Tränen, Yin und Yang und vor allem Offenheit und Vertrauen. Es ist das Überbrücken solcher offensichtlicher Gegensätze die mich für die Männerarbeit begeistern. Hier finde ich zum einen mich selbst und zum anderen einen nahen und stärkenden Austausch mit Männern, die ihr Mannsein neu definierten wollen.
Eine wichtige Säule in meinem Leben ist seit 25 Jahren für mich Taijiquan und Qigong. Obwohl mir diese Bewegungen schon lange vertraut sind, stellen sie mich immer wieder vor neue Herausforderung, physisch und psychisch, so ist diese Körperarbeit für mich eine zentrale Achse in meinem Leben.
Meine langjährigen Erfahrungen mit dieser ursprünglich aus China stammenden Kampfkunst vermittle ich seit einiger Zeit auch als Assistent und Lehrer in einer kleinen Schule, zusammen mit meinem Freund und Lehrer, ebenfalls in Stuttgart (taijiquan-stuttgart.de).
Beruflich fülle ich die Aufgabe eines Product Owners und Teamleaders in der Software-Entwicklung eines mittelständischen Unternehmens. Hier arbeiten wir agil nach Scrum, einer Form der Zusammenarbeit, in der Offenheit, Flexibilität und ehrliche Kommunikation einen hohen Stellenwert einnehmen. Die Leidenschaft, mit der ich meine Lebensbereiche fülle, aber auch viel Bewegung in der Natur und meine große Liebe zur Blues und Jazzmusik, geben mir Energie. Diese nutze ich um meine Erfahrungen zu konzentrieren und zu kombinieren und immer wieder in neue Bereiche auszuweiten und weiterzugeben, mit dem Ziel andere Menschen zu begeistern.

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