Interview mit Eilert Bartels von Elinor Teil 4

Ein neues und wirksames Konzept für ein gesundes Mannsein

Eilert Bartels zu Gast bei „Let me introduce…“

von Elinor Petzold über das Buch zum Projekt huMANNoid – Männer sind Menschen

Teil 4 des Interviews von Elinor Petzold mit Eiltert Bartels

Lies auch Teil 1 des Interviews ->
Lies auch Teil 2 des Interviews ->
Lies auch Teil 3 des Interviews ->

Wow, ist das wunderbar.
Die ganze Vorbereitung ist ja durch und noch fehlt uns die stoffliche Form von deinem ersten Band. Hat dich diese Arbeit irgendwie verändert? Was ist jetzt anders? In Bezug auf deine Arbeit in der Praxis, vielleicht in Bezug auf dein Leben als Mensch?

Es hat sich tatsächlich eine Menge verändert. Zum einen habe ich beobachtet, dassdie Männer, die an dem Projekt teilnehmen, in einen Prozess kommen. In einen Prozess des sich selbst Annehmens, der Auseinandersetzung mit sich selbst. Und das ist erstens, zu seinen eigenen Bildern „Ja“ zu sagen und im zweiten Schritt: „Ja ich zeige mich mit dem, was ich im Interview gesagt habe.“ Die Männer, die in dem Projekt letztendlich im Buch stehen werden, haben ganz oft „Ja“ zu sich selbstgesagt.

Ich habe durchaus beobachten können, dass dieser Prozess des immer wieder Ja-sagens etwas mit den Männern macht. Und das macht mir wiederum unheimlich Mut, damit weiter zu gehen. Ich möchte künftig dieses Format auch als Prozessarbeit anbieten. Nicht unbedingt mit dem Ziel, wieder ein Buch zu veröffentlichen, aber einen Raum zu haben, wo Menschen -und da schließe ich auch Frauen nicht aus -sich über die Fotos und ein Interview mit sich selbst auseinandersetzen können. Solange, bis Menschen Ja zu ihrem Körper und ihrem Sein sagen können.

Das ist so ein heilsamer Schritt. Das ist ja eine Art Blitztherapie. Ich kann mir vorstellen, dass manche Leute das Wort Therapie nicht mögen, aber in meinem Kontext ist das sehr positiv besetzt und das ist ein heilender Schritt, ein heilender Prozess. Ich habe kein anderes Wort.

Blitz nicht. Das ist schon ein Prozess, der sich über drei bis vier Monate hingezogen hat. Auch bei jedem, der daran teilgenommen hat.

Ohne Absicht, eine Therapie zu machen, ist es dennoch ein tiefes Eintauchen gewesen. Gab es Rückmeldungen von Männern, wie sie das im Nachhinein erlebt haben, wie sie dazu stehen? Oder sind sie jetzt in stiller, freudiger Erwartung des Ergebnisses?

Es gibt sogar auf der huMANNoid-Facebookseite ein Video als Rückmeldung. Das ist total berührend zu sehen.

Hast du eigentlich schon einen Verlag?

Ich noch nicht. Ich war auf der Buchmesse in Leipzig und habe einige Kontakte geknüpft. Aber ich bin immer noch auf der Suche. Wer also Verlage kennt, wo ich gut aufgehoben
wäre: Gebt mir einen Hinweis. Irgendetwas wird passieren. Ich bin eigentlich ganz zuversichtlich. Ich glaube, die Zeit ist reif für dieses Buch.

Das glaube ich auch. Was wünschst du dir von der Mann Sein -Konferenz, wo du jetzt auch glücklicherweise dabei bist? Schade, dass ich kein Mann bin, ich wäre auch gerne dabei.

Dass ich etwas in die öffentliche Wahrnehmung bringe, dass ich was ins Feld bringe, was, glaube ich, uns allen und da nehme ich die Frauen auch nicht heraus, ein Stück weit fehlt. Was ich ins Feld bringen möchte, um diesen spirituellen Begriff zu nutzen, ist Väterenergie.

Und das habe ich eben noch nicht erwähnt. als du fragtest, was ich in dem Projekt so bemerkenswert fand. Ich stelle ja Fragen zu Vater und Mutter: „Was hast du als Kind an deinem Vater beziehungsweise deiner Mutter bewundert und was hat dir gefehlt?“ Ich habe ja drei Generationen von Männern interviewt. Der jüngste ist 26, der älteste ist 75. Und was praktisch durch die Bank fehlt, ist die emotionale Präsenz des Vaters.

Also ein Mann hat z.B. gesagt: „Ich habe meinen Vater nie weinen sehen.“ Er musste sich dann auch erst einmal wieder fangen. Und dann sagte er: „Und ich hätte mir das so gewünscht. Weil, dann wäre ich später vielleicht auch einfacher an meine eigenen Gefühle rangekommen.“

Das stille Drama, wo die Leute sich selbst der Gefühle entsagen, um durch den anderen dorthin zu kommen.

Und es ist wirklich egal, ob ich mich mit dem 75-jährigen oder mit dem 26-jährigen unterhalten habe. In dem Moment, wo wir voreinander saßen und uns auch mit unserer Emotionalität gezeigt haben… das berührt mich jetzt selbst… entsteht diese Väterenergie.

Weißt du, was mich in diesem Zusammenhang schockiert? Ich habe es gestern nicht selbst gehört, aber mir wurde gesagt, es gab gestern den Beschluss, dass die deutsche Hymne verändert werden muss und das Wort Vaterland nicht mehr sein darf. Es wird zwar Heimatland genannt, was ich sehr schön finde. Das Wort „Heim“ ist ja wunderschön, aber ich frage mich, ist das noch gut, dass wir so an unser Lexikon rangehen, dass das Wort Vaterland nicht mehr sein darf? Beschneiden wir uns nicht selbst unserer Wurzeln damit? Oder meinst du, ich bin da übersensibel?
Hast du das mitbekommen?

Ich höre das gerade zum ersten Mal.

Die Information stimmt. Sie wurde mir mit einer Portion Unzufriedenheit weitergegeben.

Das hat jetzt natürlich verschiedene Ebenen. Da gibt es einmal die Ebene des Staates und Nationalismus und das, was da alles mit reinspielt. Aber ich glaube, du willst mehr…

Ich möchte darauf hinaus… wir sprechen über Väterenergie. Wir sprechen über fehlende Rollen, an denen sich Männer orientieren können, wo sie Kraft schöpfen können. Wir wissen aus der Arbeit mit Ritualen, wie wichtig das ist. Aber in diesem Fall sind wir bei den Menschen, die sich zumindest anatomisch in einem männlichen Körper durch das Leben bewegen und natürlich das Bedürfnis haben, sich zu identifizieren, sich zu formieren. Väterenergie. Und schon schneiden wir das Wort Vaterland aus unserem Lexikon. Ich glaube nicht, dass es gut ist.

Im Hinblick auf das Wort Vater würde ich auch sagen, ist es nicht gut. Andererseits ist natürlich die Frage, ist Vaterland nicht auch Mutterland?

Auf jeden Fall. Die Frage ist, wie wird das präsentiert?

Habe ich jetzt spontan auch keine Antwort darauf. Wir haben die Muttersprache und das Vaterland. Aber ich glaube, das wesentliche ist tatsächlich, dass wir, ich kann immer nur wieder diesen Fächer in das Bild halten, dass wir uns erlauben, ganz zu sein. Und dass wir Impulse in die Kultur bringen, die es Männern erlauben, ihre Emotionalität und ihre verletzlichen Seiten in aller Stärke zu zeigen. Wir werden ja stark dadurch, dass wir unseren ganzen Fächer entfalten können.

Und genauso brauchen wir das bei Frauen. Dass ihr euch nicht nur in eurer Verletzlichkeit zeigen dürft, sondern eben auch in eurer Stärke und eurer Fähigkeit.

Da beantwortest du mir die Frage nach deinem Appell an die Frau womöglich. Dasist jetzt das, was mir auf der Zunge lag.

Und wenn du mich jetzt nach weiteren Büchern fragst, ich muss schauen, was als Nächstes ansteht, wenn das Buch raus ist. Und wenn der erste Band durch ist, muss ich gucken, welches der  zweite Band wird. Ich denke durchaus auch darüber nach, noch einmal so einen Band mit Frauen zu machen.

Du als Mann. Aha. Da gibt es aber noch eine andere Schwelle zu überwinden.

Ja, ich als Mann, aber eben auch ich als Mensch. Das ist wirklich ein Punkt, über den ich schon öfter nachgedacht habe und worüber ich mich auch unterhalten habe. Wo viele sagten: „Na, lass  das lieber eine Frau machen.“ Ich denke aber, es wäre konsequent, wenn ich das weiterverfolge. Einfach aus diesem Gedanken dieses Dreizeilers heraus: „Männer sind Menschen, Frauen sind Menschen, Wir sind Menschen.“ Und natürlich kann ich als Mann und Mensch einer Frau gegenübersitzen und wir entfalten beide die Fächer unserer Ganzheitlichkeit.

Lieber Eilert, ich wusste, dass ich tief beeindruckt sein werde. Das hat sich bestätigt. Ich bin froh, dass wir jetzt so darüber sprechen konnten und ich bin gespannt auf das Ergebnis. Und wie gesagt, wir machen ein kürzeres Video, wenn, wir das fertige Buch in den Händen halten. Ich bin sicher, das wird sehr schön. Deine Grafikerin macht exzellente Arbeit, wie man sieht.

Ja, Sandra Kaiser möchte ich an dieser Stelle auch noch einmal ganz herzlich danken für ihre tolle Arbeit, die sie bisher schon geleistet hat.

Und wir bedanken uns auch für eure Aufmerksamkeit und euer Interesse wünschen uns, dass das Buch dann seinen Weg auf die Couchtische in den Praxen und Wohnzimmern findet. Dass es uns alle bereichert und auch dir Anerkennung und Bestätigung gibt für die wunderbare Arbeit, die du machst. Ich selbst fühle mich auch bereichert, weil es durch und durch auch meine Botschaft ist. Meine Praxis, die ich seit gestern fast offiziell als Praxis für Männer definieren möchte. Und ich dieser Arbeit auch nachgehen möchte. Ich glaube, das ist das Beste, was ich für die
Frauen tun kann. Dass ich als Frau die Männer durch diese verbindende Art und Weise unterstützen kann und noch mehr Brücken geschlagen werden, nicht nur von
Norden nach Süden in Berlin, sondern auch in unserer Arbeit.

Lasst uns Brücken schlagen. Danke für deine Aufmerksamkeit.

Danke Eilert. Alles Liebe und wir sehen uns beim nächsten Mal.
Alles Liebe, bleibt neugierig und bis bald.

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Lies auch Teil 2 des Interviews ->
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Foto: Stefan Gerber

Eilert Bartels, Jahrgang 1968 lebt seit 29 Jahren in fester Partnerschaft mit seiner Frau Judika Bartels und ist Vater zweier Kinder. Er ist Mitgründer der Praxis „Beziehungsperspektive“ in Berlin, wo er seit 2015 als Psychologischer Berater, Heilpraktiker für Psychotherapie und als Paar- und Sexualtherapeut gemeinsam mit Judika Konzepte für sexuelle Selbstbestimmung entwickelt und anbietet.

Die Beschäftigung mit Geschlechterrollen und männlicher Identität begleitet ihn fast sein ganzes Leben und führte Anfang 2017 zum Start des Projektes „huMANNoid – MÄnner sind Menschen.

Kontakt:
www.beziehungsperspektive.de
kontakt@beziehungsperspektive.de
www.humannoid.de
kontakt@humannoid.de

Elinor Petzold
Über Elinor Petzold 4 Artikel
Elinor Petzold ist Hypnose- und Sexualthrapeutin und Paarberaterin in eigener Praxis in Oranienburg bei Berlin. Ihre Leidenschaft ist die Aufklärung im Sinne der Gleichwertschätzung und des gegeseitigem Respekt der Geschlechter jensets der Geschlechterk(r)ampf. Neben ihrer Hypnose & Sexualität Praxis für Männer – Heilkunst und Grenzerfahrung ElixiR hat sie den Format „Let me introduce“ ins Leben gerufen, in dem sie die (Lebens)Künstler, Autoren, Therapeuten, Coaches und Visionäre hinter den Büchern und Projekten vorstellt.

Elinor ist Ko-Gestalterin und Moderatorin vom online-Sexualitätskongress „Wege durch das Labyrinth“ 2017 in dem auch die männliche Sexualität, Männerprojekte und auch BDSM als Lebens- und Liebensart thematisiert wurden.

Homepage von Elinor Petzold: elinor.elixir-med.de
Kontakt: info@elixir-med.de oder Mobil: +49 176 800 57 473

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