MANN SEIN Konferenz 2018 – I did it again

Ein persönlicher Bericht von Tom Süssmann

Foto: Christian Klant

Wir haben im Team immer einen Joke über die Vorurteile, die draussen über die MANN SEIN Konferenz kursieren.

Da gibt es drei Highlights an Fragen, die wir immer wieder gestellt werden:

  1. Ihr seid doch bestimmt fauenfeindlich?
  2. Ist das jetzt eine Veranstaltung für Homosexuelle?
  3. Seid ihr eine Burschenschaft?

Mit dieser Anekdote eröffnete John Aigner, der Gründer von MALEvolution und Mastermind der MANN SEIN Konferenz, die diesjährige Veranstaltung.

Natürlich ist die Antwort auf alle Fragen: NEIN! 🙂

Mittlerweile passiert aber auch hier ein Umdenken bei den Journalisten und dazu trug auch die aktuelle Veranstaltung bei.

John: “Ich lade die Medienvertreter dazu ein, die Message einer neuen Männlichkeit nach draussen zu tragen.

John Aigner | Foto: Video-Shot TasconFilm

I did it again
Nach dem ich letztes Jahr restlos von der damaligen MANN SEIN Konferenz begeistert war, bin ich natürlich dieses Jahr gerne wieder hin gefahren.

Diesmal in einer neuen Location in den Tegeler Seetrerrassen am Tegeler See.

Gefühlt war alles ein wenig enger, aber das kann auch daran liegen, dass diesmal deutlich mehr Teilnehmer vor Ort waren. Die offiziellen Angaben liegen zwischen 400 und 450 Männer.

Auch die altersmässige Durchmischung war diesmal anders. Bei der letzten Konferenz waren deutlich mehr jüngere Mann zu sehen, ich schätze mal, dass ca. 85% der Anwesenden unter 30 Jahre alt war.

Diese Jahr hatte ich den Eindruck, dass der Anteil von Männern zwischen 30 und 50 deutlich höher lag und auch über die 50 hinaus waren vereinzelt Männer anzutreffen. Möglicherweise lag das auch daran, dass der Altersdurchschnitt der Speaker höher lag und die Auswahl der Themen auch ältere Männer angesprochen hat als 2017.

Gerald Hüther – Hierforscher und Visionär
Über Gerald Hüther hatte ich schon viel gehört und gelesen. Ich bewundere ihn, weil er für mich ein Querdenker der besonderen Art ist und trotz der vielen Steine, die ihm vom Mainstream in den Weg gelegt werden, seinen Überzeugungen treu bleibt.

Wisssen ist nutzlos, so die provokative Aussage zu Beginn des Vortrags. Viel wichtiger und sinnvoller seien eigene Erfahrungen. Es gehe darum, dass man die Dinge begreift (im wahrsten Sinne des Wortes), denn da seien wenigstens die Hände mit im Spiel.

Das heutige Schulsystem degradiere den Menchen zum Objekt, das nur mit Wissen angefüllt werden muss, um als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft zu funktionieren. Das Individuelle, das Subjektive gehe dabei verloren.

Gerald Hüther | Foto: Christian Klant

Männlichkeit sei für ihn, wenn ich mich als Mann immer den Problemen, Herausforderungen und Wirren des Alltags stelle und lerne, aus eigener Kraft damit um zu gehen. Dann mache ich die Erfahrung, dass ich, egal was kommt, damit umgehen kann. Dann ereiche ich einen Zustand, wo ich sagen kann: “Was jetzt noch kommt, wird mich auch nicht aus der Bahn werfen.”

Für einen einzelnen Mann sei diese Haltung aber oft schwer zu leben. Deshalb sei es besser, dass Männer sich in kleineren Gruppen zusammen tun und sich auf einer tiefen Ebene austauschen. So entstehe Vertrauen und Verbundenheit und in diesem Zustand sei es wesentlich leichter, diese innere gelassene Haltung zu leben.

Hüther beschreibt hier im Prinzip nichts anderes als das, was tausende Männer schon heute in Männergruppen erleben.

Unsere Gesellschaften seien immer hierarchischer geworden. Davon müsse die Menscheit wegkommen. Wir müssen hinkommenn zu flachen Strukturen, die den Menschen in den Mittelpunkt stelle.

Hierarchiche Strukturen haben immer die Grundtendenz, das herrschende System stabil zu halten. Das führe aber dazu, dass keine oder wenig Veränderungen möglich sind. Das Leben sei eine ständige Veränderung und dass sei in Hierachien nicht möglich.

Der Mann von Morgen muss ein Liebender werden. Das ist der zentrale Lösungsansatz des Vortrags von Gerald Hüther.

Dazu möchte ich folgendes anmerken:
Der Liebende ist nicht zufällig einer der vier männlichen Grund-Archetypen (Krieger, König, Magier, Liebender).

Der Mann von Morgen hat alle vier Archetypen in sich entwickelt und lebt die vollendete Ausprägung.

Im MännerPortal.Net propagiere ich diese Form des Neuen Mannseins und nenne es den Ganzheitlichen Mann.

Egal, wie man es auch nennen mag, die Transformation für ein Neues Mannsein ist im vollen Gange und viele gute Männer arbeiten daran.

Danke Gerald Hüther für diesen berührenden Vortrag.

Richard Schneebauer – Männerabend
“Achtzig Prozent der Männer haben keinen besten Freund, also einen Mann, dem sie sagen, wie es ihnen wirklich geht.”

Das sei die Motivation für Richard Schneebauer gewesen, sein Buch Männerabend zu schreiben.

Auf Richard hatte ich mich besonders gefreut, weil ich schon im Vorfeld der MANN SEIN mit ihm in Kontakt war, um die Rezension seines Buches für das MPN zu schreiben.

Richard und Tom | Foto: Schneebauer privat

Hier hatte ich Gelegenheit, ihn persönlich kennen zu lernen.

Richard lies die Männer daran teilhaben, wie er zur Männer-Arbeit kam und welche Stationen er dabei durchlaufen hat.

Es war spürbar, dass es für ihn eine Herzensangelegenheit ist, Männer dafür zu sensiblilsieren, sich mit anderen Männer zusammen zu tun und sich auf einer tieferen Ebene zu begegnen.

Am Samstag Abend spielte Richard mit seiner Band etliche Stücke, die auch im Buch erwähnt werden.

Das Publikum ließ sich von dieser Energie anstecken und rockte und tanze leidenschaftlich mit.

Richard und Band | Foto: Tom Süssmann

Walter Hollstein – Pionier der Männer-Arbeit
Ein weiterer besonderer Vortag kam von Walter Hollstein, der sich schon in den 70zigern  für eine eigenständige Männerforschung und -politik eingesetzt hat.

Was ich besonders spannend fand, war welches Ansehen damals das Thema Männer-Arbeit in der Öffentlichkeit hatte. Offensichtlich haben sich damals nur schwule Männer für Gefühle und ihr eigenes Innenleben interessiert.

Hollstein stellte fest, dass heutzutage die meisten Männer, die sich mit Männer-Arbeit beschäftigen und in Männer-Gruppen gehen, dies tun, um ihr eigenes Selbstverständnis als Mann weiter zu entwickeln. Von denjenigen, die damals in Männergruppen gingen, waren ca. 80% von ihren Frauen verlassen worden. Und von den restlichen 20% wurden dreiviertel von ihren Frauen geschickt.

Walter Hollstein | Foto: Christian Klant

Eli Buren
widmete sich über 12 Jahre der Evolution des Bewusstseins und männlicher Spiritualität. Er hat das Talent, Männer in ein tieferes Verstehen ihres Mannseins zu führen, indem er sie die Wichtigkeit der Präsenz im eigenen Körper lehrt. Eli arbeitete lange als David Deida’s Lehrassistent und leitet Männer-Workshops in Amerika und Europa. www.eliburen.com

Eli brachte den Männern die Achtsamkteit für den jetzigen Moment näher. Er zeigte an Hand von Beispielen auf, wie Männer durch ständige Aktivitäten im Außen sich darum bringen, den jetzigen Moment wahrzunehmen und zu genießen.

“Is anybody home?”

Der zentrale Unterschied von Präsenz im Moment und Nicht-Präsenz sei: Ist jemand zu Hause? Das bedeutet, liegt meine Aufmerksamkeit auf den Dingen im Außen und konsumiere ich nur oder bin ich innerlich anwesend nd reflektiere.

Die Präzens im eigenen Körper erzeugt Tiefe.

In einer Unterhaltung zwischen zwei Männern, in der es nur darum geht, Dinge im Außen zu beschreiben, wird das Gespräch an der Oberfläche bleiben. Wenn sich diese Männer aber darüber austauschen, was sie dabei gefühlt haben, wie es ihnen dabei ergangen ist, dann entsteht schlagartig Tiefe.

Eli Buren | Foto: Christian Klant

Veit Lindau – Men and Mission
Besonders gespannt war ich auf den Auftritt von Veit Lindau. Ich bin seit September 2017 Mitglied im Human Trust und konnte mich von der hohen Qualität der dort angebotenen Webinare und anderen Möglichkeiten überzeugen. Besonders das Thema “Men and Mission”, mit dem Veit bei der MANN SEIN war, hatte es mir angetan.

Mich hat dieses Thema besonders interessiert, weil ich mit meinem vierten Basic “Wer bist du?” Männer bei dieser Sinnfrage begleite.

Veit lieferte eine klasse Performance ab und teilte uns vorab mit, dass er zum ersten Mal vor rein männlichem Publikum spricht und sonst meist eine Frauenquote von ca. 70% hat.

Sein Anliegen sei, die Welt zu verändern und wenn er mal aus diesem Leben scheiden wird, dann möchte er das Gefühl haben, dass er wirklich alles gegeben hat.

Damit war erstmal geklärt, wie er das Thema “Men and Mission” für sich definiert hat.

Er hätte keinen guten Einstieg ins Mannsein gehabt, weil er ohne Vater groß geworden sei und seine Mutter ihm nur Negatives über seinen Vater eingeflüstert hätte und dadurch sein Männerbild ins Negative gerutscht wäre.

Veit Lindau und Tom | Foto: Tom privat

Die zentrale Frage sei: Wofür tust du etwas? Wofür brennst du?

Die Welt da draußen liegt im Argen und einer der Hauptgründe dafür ist, dass es keine wachen Männer gibt, die für etwas brennen, die wissen wofür sie da sind.

Veit hat seinen Vortrag an Hand des Modells Spiral Dynamics (Amazon-Affiliatelink) aufgebaut. Veit stellte fest, dass viele Männer sich in den letzten Jahren in die sog. 6. Ebene entwickelt haben, d.h. sie haben den Zugang zu ihren Gefühlen entdeckt und ihre weibliche Seite entwickelt.

Dies sei einerseits gut, aber viele Männer seien dort stecken geblieben und quasi die besseren Frauen geworden.

Für einen Mann genüge es nicht, auf der Ebene der Selbstverwirklichung stehen zu bleiben, sondern er müsse sich in die die 7. Ebene, die intregrale Ebene, begeben und sein Leben einem höhren Sinn weihen.

Die Natur habe den Mann nicht mit soviel Testosteron ausgestattet, damit er im Hier-und-Jetzt aufgehe. Die wahre Selbstverwirklichung gelänge einem Mann nur, wenn er zunächst seine Mission erforscht und dann mit brennendem Herzen lebt. veitlindau.com

Eilert Bartels – HuMANNoid Männer sind Menschen
auch mit Eilert Bartels hatte ich im Vorfeld schon Kontakt, weil wir das vierteilige Interview von Elinor Petzold mit ihm über sein Projekt im MPN veröffentlicht haben.

Eilert Bartels mit Projektteilnehmern (Niels Reszies, Mitte) | Foto: Christian Klant

Die Ausstellung huMANNoid – Männer sind Menschen gehörte zum Rahmenprogramm der MANN SEIN Konferenz und ich hatte Gelegenheit, am Rande mit Eilert wertvolle und tiefgehende Gespäche über seinen Ansatz von Männlichkeit zu führen.

ManKind Projekt (MKP) bei der MANN SEIN
Wie viele der Leser des MPN wissen, habe ich vor vielen Jahren meine Initiation bei ManKind Project Deutschland gemacht und mich dort lange Zeit ehrenamtlich engagiert.

Deshalb habe ich mich sehr gefreut, dass bei dieser MANN SEIN Konferenz, im Gegensatz zum letzten Jahr, ein Infostand von MKP präsent war. Der Stand war gut besucht und ich glaube, dass meine Warrior-Brüder vielen Männern den Spirit von MKP und dessen Nutzen für das eigene Mannsein vermitteln konnten.

MKP Warrior unter sich. | Foto: privat

Christian Schlierkamp – Graphic Recorder
Was ist Graphic Recording?

“Beim Graphic Recording visualisiere ich Inhalte Ihrer Veranstaltung (Vorträge, Diskussionsrunden, Think Tanks und World Cafés) live, zumeist auf Papier.” Auszug von Christians Website

Graphic Recording | Foto: Christian Klant

Christian begleitete die Vorträge mit seiner Kunst, wesentliche Elemente in Form von Zeichungen fest zu halten. www.graphicrecorder-berlin.com/

Nach der Konferenz ist vor der Konferenz
Wenn du dich jetzt schon anmeldem möchtest für die MANN SEIN Konferenz 2019, dann kannst du das hier tun. Ich bin natürlich wieder dabei. 🙂

Klick einfach auf das Bild.

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Presseecho
taz
http://www.taz.de/MannSein-Konferenz-in-Berlin/!5507675/
Berliner Kurier
https://www.berliner-kurier.de/berlin/kiez—stadt/neues-rollenverstaendnis-gesucht-berlins-bewegte-maenner-im-seminar-30559952
RBB Fernsehen
https://www.rbb-online.de/rbbaktuell/archiv/20180602_2150/mann-sein.html

Weitere Artikel zur MANN SEIN Konferenz findest du hier:
Von Männern und Wölfen
Feedbacks zur MANN SEIN 2018
MKP-Präsenz bei MANN SEIN Konferenz ein voller Erfolg
MANN SEIN Konferenz 2017 – Ich war dabei

Über Tom Süssmann 52 Artikel
Tom Süssmann ist Jahrgang 1957 und hat zwei Söhne (geb. 1994 und 1999).

Tom Süssmann versteht sich selbst als Botschafter der Männersache.

Er beschäftigt sich schon seit 2006 mit dem Thema Männer-Arbeit und ist selbst durch viele Höhen und Tiefen des Mannseins gegangen.

Tom heute: "Die Männer-Arbeit hat mein Leben gerettet."

Tom begleitet als Männer-Coach andere Männer auf deren Weg zu einem authentischen Mannsein. Dazu hat er das Konzept "Einfach Mannsein!" entwickelt.

Mit den Basics als Mann gibt Tom Männern ein solides Fundament für ihrSelbstverständnis als Mann:
  • ■ Die Aussöhnung mit dem Vater
  • ■ Die gesunde Ablösung von der Mutter
  • ■ Emotionale Abhängigkeiten vom Weiblichen beenden
  • ■ Warum bist du hier?

Tom hat 2016 das www.MaennerPortal.Net (MPN) gegründet. Ein Portal, auf dem die verschiedensten Aspekte des Mannseins beleuchtet werden. Es ist mittlerweile eine beliebte Anlaufstelle für Männer, die sich mit dem Thema auskennen, aber auch für Männer, die erst anfangen. sich darüber zu informieren.

Mittlerweile hat sich das MPN zur Nr. 1 für Männer-Arbeit im deutschsprachigen Raum entwickelt.

Tom im Web:
MännerPortal.Net auf Facebook
Einfach Mannsein!
Einfach Mannsein! auf Facebook
Ganzheitliches WebDesign

2 Kommentare

  1. Danke, Tom, für diesen Artikel. Du fasst die Vorträge und Geschehnisse bei der letzten MANN SEIN sehr gut zusammen. So bleiben sie im Gedächtnis!

    Mich persönlich hat besonders beeindruckt, dass die Qualität der Sprecher und Themen sich im Vergleich zur letzten Konferenz stark gesteigert hat. Es war wirklich eine thematisch differenzierte Konferenz zum Thema Männlichkeit. Großartig!

    • Hallo Fabian,
      danke für dein Feedback zu meinem Bericht.

      Ich persönlich möchte die die beiden MANN SEIN Konferenzen an denen ich bisher teilgenommen habe gar nicht gegen einander werten.

      Für mich waren beide bereichernd.

      Ich sehe es aber auch so, dass diesmal mehr Männerthemen in eigentlichen Sinne präsentiert wurden.

      War cool, dich persönlich kennen zu lernen. 🙂

      LG Tom

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