Der männliche Archetyp des Kriegers Teil 2

Eine Abschlussarbeit des Trainings ‘Aruna Aufbautraining’

Foto: Pixabay | enkhtamir

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4. Schatten-Formen der Krieger-Energie

Wie bei allen Archetypen, ist unterdrückte Krieger-Energie nicht einfach verschwunden, sondern kommt als Schatten-Formen der voll entwickelten Krieger zutage.

4.1. Überentwickelte Ausprägung (+): der Sadist
Ist die Krieger-Energie übermässig entwickelt, äußert sich das durch Fehlen von Verantwortlichkeit, Gewaltätigkeit, Grausamkeit, Starre und einem fehlenden Bezug zum eigenen Gefühlsleben.  Dieser Schatten-Pol ist zerstörerisch und hasst alles Schwache und Ängstliche. Diese Machtausübung ohne Gefühl oder Verantwortung für die Konsequenzen nennt man Sadismus. Der Sadist ist getrieben vom inneren Zweifel an seiner männlichen Kraft. Beispiele für diese Form der Krieger-Energie sind oft heldenhafte Männer die an ihre Unverwundbarkeit glauben, und durch unnötige Risiken auch andere in Gefahr bringen. So ein ‘Held’ hinterlässt oft Menschen und Orte verwüstet und sucht dann woanders nach neuen Heldentaten.

4.2. Unterentwickelte Ausprägung (-): der Masochist
Wenn die Krieger-Energie ganz fehlt, zeigt sich Schwäche, Unklarheit und Grenzenlosigkeit. Der Masochist fühlt sich macht- und hilflos und macht sich so zur ‘leichten’ Beute und zum Opfer. Er erlaubt ständig ohne Gegenwehr, seine Grenzen zu übertreten, und sieht immer die Verantwortung dafür bei den Anderen. Der Masochist ist mit seiner Energie viel in Träumen unterwegs, folgt aber Zielen in der äusseren Welt nur ansatzweise, da ihm Strapazen zuwider sind und er Konfrontationen meidet. Damit bremst der Masochist nicht sich selbst, sondern auch diejenigen, die mit ihm unterwegs sind.

5. Ausblick
Ohne Kriegerenergie bin ich allen Angriffen schutzlos ausgeliefert. Ohne Kriegerenergie ist mir auch keine Unterscheidung möglich. Das Schwert des Kriegers Schwert scheidet zwischen Gut und Böse, Liebe und Hass, Wahrheit und Unwahrheit. Er ist der Teil von mir, der verhindert, dass wir unbewusst und planlos durchs Leben gehen. Krieger-Energie leben heisst für mich nicht, ständig in Kämpfe um Kleinigkeiten verwickelt zu sein, sondern mir weitestgehend klar darüber zu sein, wohin mein Weg führt, was mich auf diesem Weg unterstützt und was mich vom Weg abbringt. Je stärker ich mich auf diesen Weg einlasse,desto weniger muss ich grübeln und zweifeln was gerade für mich zu tun ist. Je wacher und aufmerksam ich beobachte, was jeweils gerade in mir und um mich herum geschieht, desto genauer weiss ich, wann es Zeit ist aufzustehen und mein Schwert zu zeigen.

Viele aktuelle Geschehnisse wie der Anschlag am 11. September und der Irak-Krieg, aber auch die allgemeine Stimmungslage in Politik und Wirtschaft lassen mich erahnen, wie gross der Mangel an gereifter Krieger-Energie in dieser Zeit ist und wie stark anstattdessen deren Schatten-Formen wirken.

So paradox es klingen mag, für mich liegt in Mut, Klarheit und Entschlossenheit des Kriegers die grosse Chance, Streitereien, Kämpfe und Verletzungen in meinem Leben seltener werden zu lassen, nicht häufiger. Wenn ich früh und klar mit dem, was ich beabsichtige und benötige heraustrete und dazu stehe, wissen andere, woran sie mit mir sind und können entscheiden, mit mir oder ohne mich zu sein. Auch sammelt sich dann in mir nicht der Frust und Ärger (den ich durch meine Masochist-Schattenseite nur allzugut kenne), den ich dann nach einiger Zeit in Schein-kämpfen um Nebensächlichkeiten häufig an anderen entladen muss.

Für mich kam die Auseinandersetzung mit dem Thema im Rahmen dieser Arbeit ‘genau zur Richtigen Zeit’: ich habe in grossen Schwierigkeiten immer wieder Kraft und Hoffnung geschöpft allein bei der Vorstellung, dass es die positiven Qualitäten des Kriegers wirklich gibt und auch ich mir davon in mein Leben holen kann. Auch wenn ich mich oft weit weg von der vollentwicklten Krieger-Energie wähne, so habe ich doch ‘Lunte gerochen’ und werde ich mich sicher nicht von dem Weg Richtung positiver Krieger-Energie abbringen lassen.


Danksagung
Grosser Dank gebührt meinem Vater, der mich gezeugt hat auf seine unvollkommene Weise mein Vater war und ist. Ich danke ihm besonders dafür, dass er mir seit vielen Jahren seine Unterstützung und Freundschaft gewährt und mich an seiner inneren Schönheit teilhaben lässt, die jetzt in seinem hohem Alter klar und unübersehbar durch die dünn gewordene Hülle scheint.

Seit meiner ersten Begegnung in der Männergruppe vor 7 Jahren war mir Bali Vorbild, Helfer und manchmal auch Freund auf meinem Weg. Er hat mich inspiriert, für mein Mannsein  einzustehen und aus seinen Teachings und Hinweisen sind viele meiner Entscheidungen und Visionen gewachsen. Danke, Bali !

Literatur und Quellen:
Moore, Robert & Gilette, Douglas (1990). König Krieger Magier Liebhaber : Die Stärken des Mannes. Kösel Verlag.
Tom van der Kroon: Die Rückkehr des Löwen
Manfred Twrznik: Aufbruch zum Mann
Erinnerungen und Aufzeichnungen meiner Teilnahme an der Männer-Gruppe bei Bali


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Gerd Hildebrandt
Über Gerd Hildebrandt 2 Artikel

Veeraj Gerd – psychotherapeutischer Heilpraktiker und Absolvent der Trainings NLP-Practitioner, Rebalancing, Aruna Tantra, Osho Meditation Leader, Learning Love, Path of Love, Working with People und aktuell Teilnehmer im Therapeutentraining mit Schwerpunkt auf Paar- und Beziehungsthemen.

„Seit vielen Jahren nehme ich an Männergruppen und -treffen teil und habe seit 2001 wiederholt Männertreffen geleitet. Die authentische Begegnung mit Männern wurde im Laufe der Jahre immer wichtiger für mich. Seit ich Vater geworden bin, erfahre ich mein Mann-Sein auf eine völlig neue Art.“

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