Warum es zwischen Vater und Sohn so oft kracht

Bombenalarm!

Foto: Maenners.com

Die erste Nacht im trauten Heim mit Jonas. Neun Monate haben Maximilian und Maren überstanden, das lange Warten hat ein Ende. Neun Monate lang strichen sie jede einzelne Kalenderwoche mit einem roten Marker durch.

„Was? Einen Jungen? Gott, Maren hörst Du das? Wir bekommen einen Jungen, ich habe es Dir doch gesagt. Natürlich würde mein Erstgeborenes ein Junge werden“, für Marens Geschmack ein etwas zu intensiver Freudenausbruch über das Geschlecht und das auch noch vorm Frauenarzt.

Maximilians Vaterpläne standen bereits fest bevor Maren erster Schwangerschaftsmonat vorbei war, geschweige sie das Geschlecht ihres ersten Kindes kannten.

Maximilian Vision war aber glasklar: Ein Junge würde es werden, Jonas wäre der perfekte Name und zusammen Fußball spielen könnten sie. Sobald Jonas anfangen würde zu laufen, wären die beiden das unzertrennliche Fußballtandem – Maximilian der Trainer, Jonas der Lehrling. Zu Jonas 14. Geburtstag würde Maximilian ihm ein abenteuerliches Rafting-Wochenende in den Bergen schenken, ein richtiger Männerurlaub eben.

Traum aus, Realität an: Nicht in seinen kühnsten Träumen hätte sich Maximilian vorstellen können, dass er das Wort „durchschlafen“ nur noch aus der Werbung für Schlafmittel kennen würde. Ganz blauäugig war er nicht, er wusste dass so ein kleiner Mensch mit Inkontinenz sich bei Nacht öfters zu Wort meldet. Dass Jonas aber alle zwei Stunden ein regelrechts Orchesterkonzert veranstalten würde nicht.

Überfordert würde Maximilian sich nicht nennen, vielleicht eher desillusioniert. Wenn er sich aber vor Augen führt, dass er sich aufgrund seines Dauerschlafmangels am liebsten in Embryonalstellung kauern würde, dann trifft „überfordert“ es doch sehr gut.

Du liest hier eine vielleicht etwas überspitzte Form einer emotionalen Darstellung eines frischgebackenen Vaters. Oder vielleicht kannst Du dich doch etwa mit Maximilian identifizieren?

Zwei von drei Vätern wünschen sich einen Sohn, schmieden Pläne über ihre gemeinsame Zukunft und verlieren sich nicht selten in ihren Vorstellungen, Wünschen, Illusionen. Und dann ist der Wonneproppen endlich da. Wer von euch hat sich nicht dabei ertappt, dass die Realität mit seiner Erwartungshaltung kollidiert? Die Babys der Pamperswerbung werden eben doch nur in ihren besten Minuten gezeigt.

Die Diskrepanz zwischen Wunsch und Realität kann enorm sein. Fußball, Rafting, Männerurlaube – nur drei Punkte von Maximilians Masterplan für Jonas. Dass Jonas aber Fußball hassen: „Warum soll ich mir 22 Idioten angucken, die einem Ball hinterherlaufen?“, lieber Schach spielen und von Rafting nichts halten würde, bringt Maximilians Denkfalte ein paar Mal zu oft zum Einsatz. Sie könnten es doch mal versuchen, offen für Neues sein.

„Nur weil Du keine Ahnung von Schach hast. Lächerlich“, seinen Vater wie Abschaum behandeln, das kann Jonas gut.

Auch mit Jonas 14 Jahren, werden Maximilians Nächte immer noch von Schlaflosigkeit dominiert. Andere Gründe, gleicher Effekt. Jonas wurde auf der Schultoilette beim Rauchen erwischt und das nicht nur einmal. Warum Maximilian und Maren nicht einschreiten? Versucht haben sie es. Hausarrest, Handyverbot, Schulkonferenzen –  Aber Jonas ältere Freunde versorgen ihn immer wieder mit Zigaretten und Alkohol. Dass der Schulverweis droht, berührt Jonas nicht sonderlich.

Maximilian und Maren hatten auch eine belebte Jugend, aber sich mit 14 Jahren um 17 Uhr nachmittags auf einem Spielplatz betrunken zu rollen und die örtlichen Büsche mit seiner Magensäure zu beglücken, gehörte nicht zur Tagesordnung.

„Maximilian, Du kannst nicht immer wieder versuchen Jonas zum Fußballtraining zu schleppen oder ihn von einem Rafting-Wochenende zu überreden. Was soll das bringen? So macht er doch nur noch mehr dicht“, Maren hat ja Recht. Aber Hilfe muss her. Das Jugendamt will Maximilian nicht einschalten, es ist immerhin sein Sohn. Sowas würde er nie machen. Zum Psychologen lässt Jonas sich auch nicht schleppen, keine zehn Pferde bringen ihn dort hin. Seine Gedanken führen ihn immer wieder in dieselbe Sackgasse.

Wie oft hast Du in den Medien gelesen oder gehört, dass die Beziehung zwischen Vätern und ihren Kindern eine starke und innige ist? Eine wichtige Beziehung ist sie, keine Frage. Wer könnte schließlich bestreiten, dass die Bindung zwischen Eltern und ihren Kindern keinen hohen Stellenwert besitzt? Wer aber denkt, dass diese Bindung durch und durch eine innige ist, der irrt sich.

Sie ist wechselseitig: Genau wie Maximilian wünscht sich der Vater einen Sohn zum Pferde stehlen. Auf ihn projiziert er seine Wünsche, Hoffnungen oder verpasste Chancen. Besonders im jungen Alter sind Väter Vorbilder für ihre Söhne. Sie orientieren sich an ihnen, eifern ihnen nach. Aber besonders  zwischen dem 10. und 18. Lebensjahr des Kindes scheint diese Vorbildfunktion zu bröckeln, hallo Pubertät. Diese gegenseitige Abhängigkeit bietet Explosionsgefahr. Besonders wenn das Weltbild des Anderes mit seinem eigenen kollidiert.

Kein Fußballfanatiker, sondern doch eher künstlerisch veranlagt? Leben und leben lassen, seinem Kind die freie Entfaltung gewähren – Grundsätze mit denen jeder übereinstimmt, theoretisch zumindest. Egal in welchem Lebensbereich, wer hat sich noch nie dabei ertappt, wie Ideale und Grundsätze in der Theorieschublade liegen blieben? „Do what you preach“ heißt es, aber auch wir sind nur von Emotionen gesteuerte Menschen.

„Ich hoffe, dass mein Vater in den Abgrund stürzt und sich das Genick bricht.“

Könnte zum fiktiven Charakter Jonas passen. Sowas sagt ja niemand im realen Leben, nicht wahr? Zu absurd, zu überspitzt, aber doch ein Satz aus dem wahren Leben. Genauer gesagt von Söhnen aus den Vater-Sohn-Camps von Männers, die nicht ihre Abneigung gegenüber ihren Vätern nicht verstecken.

Hier muss unbedingt etwas getan werden, um diese Beziehung zwischen Vater und Sohn zu reparieren. Reparieren, nicht retten, weil diese Beziehung keine verlorene ist. Sie hat sich lediglich im Sumpf der Pubertät und manchmal auch in den unrealistischen Erwartungen von Vätern gegenüber ihren Söhnen verlaufen.

 „Mal ganz ehrlich: Liebst du deinen Sohn?“ Nach dieser sehr direkten Frage, antworten viele Väter hier in den Camps: „Na klar“, scheint auch eine durchaus absurde Frage zu sein. Nach einem betretenen Schweigen folgt dann aber: „Ich weiß es nicht genau. So wie er gerade drauf ist, ich glaube nicht.“

In den Camps arbeiten wir gemeinsam daran, diese Beziehung wieder auf den richtigen Pfad zu schicken. Den Weg zurück zu Vertrauen und Respekt lernen sie durch gelebte Fürsorge, ehrliche Achtsamkeit und bedingungslose Liebe. Innige, verständnisvolle Beziehungen zwischen Vätern und Söhnen – genau dafür stehen und arbeiten wir in den Vater-Sohn-Camps von Männers.

 

 

Anton Wieser
Über Anton Wieser 1 Artikel

Servus, ich bin Anton Wieser von Maenners.com. Ich bin stolzer Vater von zwei fantastischen Kids. Zusammen mit meiner Frau und den Kindern lebe ich im malerischen Kitzbühel in Tirol.

Ich bin Dipl. Mentalcoach, Kinder- und Jugendcoach und arbeite im Winter in meiner Praxis vor allem mit Kindern, Jugendlichen und Vätern.

Im Sommer organisiere und leite ich die bekannten Abenteurcamps für Väter&Söhne in den Bergen Kitzbühels und in Costa Rica.

In den abenteuerlichen Camps geht es auch darum, Väter und Söhne mit der kraftvoll wirksamen Kombination aus Erlebnis, Abenteuer und Coaching dabei zu unterstützen, eine langfristig herzliche und tragende Verbindung zueinander aufzubauen!

Männer machen eben anders Urlaub.


Website: www.maenners.com

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Share This