Männer und Krankheit

Der Mainzer Hausarzt und Krebsspezialist Dr. med. Günther Spahn beantwortet Fragen

Foto: Creative Commons CC0

Fragen, die mir häufig zum Thema Männer-Gesundheit gestellt werden.

Männer und Krankheit– gibt es aus Deiner ärztlichen Erfahrung Besonderheiten?
In der Tat ist es so, dass Männer z.B. viel seltener  Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen als Frauen. Viele Männer zwischen 20 und 60 Jahren haben den Fokus auf Beruf und Familie, sie denken weniger an ihre eigene Gesundheit. Zwischen dem Besuch beim Kinderarzt und einem späteren Hausarzt klafft oft eine Lücke von Jahrzehnten. Das scheint auf den ersten Blick auch nicht weiter schlimm: und doch sind da ein paar wichtige „Must do´s “ auch für Männer. So haben viele Männer schon Ende zwanzig keinen ausreichenden Impfschutz mehr.

Oder sie halten Rücken- und Kopfschmerzen aus, ohne sie weiter abklären zu lassen.  Daraus ergeben sich nicht nur Haltungsschäden und Fehlbelastungen, manchmal  stellt sich z.B. auch ein Bandscheibenvorfall ein, vielleicht schon Mitte dreißig. Und der kommt dann „out of the blue“. Und doch eigentlich nicht. Auch bei Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems oder allergischen Beschwerden, die sich ausweiten und die Lungenfunktion beeinträchtigen, benötigen Männer viel länger, bis sie einen Arzt aufsuchen. Wenn es um Gefühle und seelische Stimmungslagen geht, dauert es sogar noch viel länger. Die Inanspruchnahme psychotherapeutischer Hilfe bei Depressionen dauert bei Männern mitunter Jahre. Viele Krankheitssymptome und fortgeschrittene Krankheitssituationen ließen sich vermeiden, wenn Männer früher ärztliche Hilfe aufsuchen würden.

Woran liegt das?
Wir Männer neigen dazu, gesundheitliche Probleme oder auch Schmerzen zu bagatellisieren. „Wird schon wieder weggehen“, „reiß dich zusammen“, „alles nicht so schlimm“, das sind die Sprüche, mit denen sich Männer zunächst den Weg zu ärztlicher Hilfe ersparen wollen. Wenn es vielleicht eine Beschwerde ist, die als eher peinlich eingestuft wird – eine Schwellung in der Leiste, Blut im Sperma, Schmerzen oder Brennen beim Stuhlgang, dann braucht es einen vertrauensvollen Rahmen, um über solche Probleme überhaupt zu sprechen. Da kann es eine Hilfe sein, einen männlichen ärztlichen Ansprechpartner zu haben. Die Studie von  Kraxberger zeigt das ganz eindrucksvoll.

Welche Tipps hast du als Hausarzt, aber auch als Krebsspezialist  zum Thema Männergesundheit? Was empfiehlst Du Männern zwischen 20 und 45 Jahren?
Zwischen 20 und 30 Jahren empfehle ich Männern  zunächst einen Blick in den Impfpass , hier gibt es häufig Lücken, oft  auch schon beim Tetanusschutz (Wundstarrkrampf). Auch eine Hepatitis-Impfung sollte in Erwägung gezogen werden.

Nikotin, Alkohol, Drogen: für viele sicher kein Thema, für andere schon. Sprich mit deinem Hausarzt darüber. Auch über andere Tabuthemen wie Sexualität, wenn  dich irgendetwas bedrückt oder sogar ängstigt.
Ab 35 Jahren ist es sinnvoll alle 2 Jahre einen Check-up beim Hausarzt durchführen zu lassen. Dabei werden neben der körperlichen Untersuchung Blutdruck, Cholesterin und Blutzucker geprüft. Auch der Urin wird gecheckt.

Natürlich werden bei einem solchen Gespräch und einer solchen Untersuchung auch andere Gesundheitsthemen angesprochen. Ernährung, Sport, Alkohol und Rauchen zum Beispiel. Oder auch Stressfaktoren, Belastungen am Arbeitsplatz oder Krankheiten, die in der Familie aufgetreten sind. Auch Erbkrankheiten. Daraus ergeben sich gegebenenfalls weitere  Untersuchungen und Empfehlungen für die Zukunft. Vielleicht die Empfehlung zu einer Rückenschule oder zu einem Entspannungstraining, was von vielen Krankenkassen bezuschusst wird.

Falls ein Mann nach einer längeren Pause wieder intensiver Sport treiben will, empfiehlt sich eine sportmedizinische Beratung. Viele Hausärzte bieten eine solche an. In bestimmten Fällen ist es sinnvoll, vorher ein EKG oder Belastungs-EKG durchführen zu lassen. Oder die Lungenfunktion zu prüfen. Ohnehin verlangen viele Vereine oder Sportveranstalter vorher einen ärztlichen Check Up. So z.B. fürs Tauchen, Segeln  oder auch eine Teilnahme am Marathon. Manche Krankenkassen beteiligen sich an den Kosten für sogenannte Sportler-Check -Ups.

Ab 35 Jahren solltest Du auch auf Kosten der  gesetzlichen Krankenkasse am Screening auf Hautkrebs teilnehmen. Das ist sehr sinnvoll, weil dadurch viele Frühformen der Erkrankung Hautkrebs rechtzeitig entdeckt werden. Dieses Screening bieten Hautärzte, aber auch viele Hausärzte an.

Der häufigste Tumor bei jüngeren  Männern zwischen 20 und 49 Jahren ist aber der Hodenkrebs. Der „Spiegel“ hat im September 2014 dazu eine Reihe von Artikeln veröffentlicht. Fazit:  viele  Ärzte fordern auch für diese Altersgruppe eine gesetzliche Früherkennung. Die Antwort der Kassen und selbst der kassenärztlichen Bundesvereinigung lautet aber: es gibt noch keine Studien, die den Wert einer Früherkennung belegen. Das zweite Argument lautet: 4000 betroffene Männer  (jedes Jahr in Deutschland) seien eine viel zu geringe Menge, das heißt die Krankheitslast (oder auch „disease burden“)  sei nicht besonders groß, zumal viele Männer geheilt werden können. Ich finde das zynisch. Es gibt ca. 15 Millionen Männer in dieser Altersgruppe in Deutschland.

Blickt ein gesunder Mann mit 49 Jahren auf die letzten 25 Jahre zurück, so wurde in diesem Zeitraum bei seinen Altersgenossen in Deutschland 100.000 mal die Diagnose Hodenkrebs gestellt. Ich  empfinde eine solche Zahl betroffener Männer ( ich werde 49 im nächsten Jahr) alarmierend genug und die Operation, Chemo- und Strahlentherapie, die beim Hodentumor zum Einsatz kommt ,verändert das Leben dieser Männer nachhaltig. Die meisten erfahren von der Diagnose Hodenkrebs , wenn sie selbst dabei sind, Kinder zu zeugen. Es sollte alles dafür getan werden, dass in Deutschland und weltweit Studien durchgeführt werden, um den Wert einer Früherkennung bei Hodenkrebs zu belegen. Bislang hat nur eine einzige deutsche Krankenkasse die einmalige Untersuchung  auf Hodenkrebs im Alter ab 20Jahren in ihren Leistungskatalog aufgenommen. Ich hoffe sehr, dass weitere folgen.

Was empfiehlst du  Männern ab 45 oder 50 Jahren ?
Ab 45 Jahren sollten alle Männer an der Krebsfrüherkennung teilnehmen. Der Hausarzt oder auch der Urologe tasten im Rahmen dieser Früherkennung  das äußere Genitale und die Leiste ab. Auch der Enddarm und die Prostata gehören dazu.  Ab 50 Jahren kommt auch ein Test auf okkultes (verborgenes) Blut im Stuhl dazu, wobei hier ein immunologisches Testverfahren dem klassischen Gujak-Test überlegen ist, aber von den Krankenkassen noch nicht bezahlt wird. Auch ein Prostatakrebsmarker, das sogenannte PSA , wird von den gesetzlichen Krankenkassen nicht bezahlt, da seine Wertigkeit nicht endgültig geklärt ist. Diese Untersuchungen müssen dann im Einzelnen mit dem Arzt geklärt werden.

Ab 55 Jahren hat jeder Versicherte Anspruch auf die Darmkrebsfrüherkennung mittels Darmspiegelung, die Magen-Darm-Spezialisten ambulant durchführen. Die aktuellen Statistiken sprechen für sich: durch die Darmspiegelung können Polypen und bestimmte Krebsvorstufen des Darmkrebses einfach und vollständig entfernt werden – und so blieb in den letzten Jahren  vielen Menschen nachweislich eine fortgeschrittene Krebserkrankung mit Operationen und Chemotherapie erspart. In diesem Bereich ist Deutschland Vorreiter in der Welt und wir haben allen Grund, darauf auch ein bisschen stolz zu sein.

Gibt es noch andere Aspekte im Blick auf Krebserkrankungen bei Männern?
Es ist wichtig, das individuelle Krankheitsrisiko mit seinem Hausarzt zu besprechen, zunächst auch ganz unabhängig vom Alter. Denn viele Männer (und Frauen) haben bestimmte Erkrankungen gehäuft in der Familie. Darmkrebs oder Prostatakrebs gehören zu den Krebsarten mit einer im Einzelfall abzuklärenden erblichen Komponente. Dann sind die Früherkennungsuntersuchungen oft schon in einem jüngeren Lebensalter durchzuführen. Das sollte man mit einem kompetenten ärztlichen Ansprechpartner klären.

Wenn eine Krebserkrankung festgestellt worden ist, nehmen Männer bislang psychoonkologische Beratungsangebote weniger in Anspruch.  Da kann es helfen, wenn auch mehr Männer in der Beratung tätig sind. Die Themen Psychologie und Ernährung sind in der Medizin häufig von Frauen besetzt – das könnte ein Grund sein, warum die Inanspruchnahme der Männer geringer ist. Und sicher haben Männer tendenziell einen schwierigeren Zugang zu ihren seelischen Belastungen und finden es schwieriger darüber zu reden. Ich darf aber auch sagen, dass sich das nach meiner Erfahrung in den letzten Jahren sehr stark gebessert hat: immer mehr Männer sind gesundheitsbewusster,  verändern ihren Lebensstil und setzen sich neben dem beruflichen Erfolg auch noch andere Ziele.  Und sie nehmen Gesprächsangebote häufiger wahr, als das es  die Generation der Männer vor ihnen getan hat. Diese Erfahrung mache ich fast täglich in meiner Praxis.

Günther Spahn
Über Günther Spahn 1 Artikel
Dr. med . Günther Spahn
ist Facharzt für Innere Medizin und Krebsspezialist mit Sitz in Mainz-Bretzenheim.

Dr. Spahn engagiert sich als Kassenarzt auf dem Gebiet der Prävention und der Vorsorge-untersuchungen für Frauen und Männern und bietet zusätzlich eine privatärztliche Sprechstunde für Männer an, um deren erhöhten Beratungsbedarf gerecht zu werden.

Themen der ärztlichen Beratung sind die Ernährung, der Sport, die sexuelle Aktivität, partnerschaftliche Fragen, aber auch z.B. eine eingeschränkte allgemeine Leistungsfähigkeit. Die Beantwortung solcher Fragen, die internistische Abklärung von Mangelzuständen, eine sportmedizinische Diagnostik sind Teil der „Männersprechstunde“.

Ernährungsmedizinische Beratung, Akupunktur, Osteopathie, erweiterte naturheilkundliche Verfahren und Methoden zur achtsamkeitsbasierten Stressbewältigung wie Yoga und Meditation werden von Dr. Spahn angewendet bzw. unterrichtet. Ziel ist die Umsetzung eines gesundheitsbewussten Lebensstils, der die Vitalität fördert und die Entwicklung eines individuellen Aktions- und Vorsorgeplans für den Mann. Die Abrechnung erfolgt nach der Gebührenordnung für Ärzte, sie wird von privaten Krankenkassen getragen. Es besteht für gesetzlich Versicherte die Möglichkeit, als Selbstzahler die Angebote der Männersprechstunde zu nutzen.

Terminvereinbarung in der Männersprechstunde von Dr. Spahn unter: 06131 – 934350.
WWW: http://www.drspahn.de
Foto: Waldemar Erz, Nieder-Olm

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