Warum eigentlich Coaching speziell für Männer?

Eine gute Frage, gestellt von Volker Hepp

Foto: Unsplash | Atlas Green

Das werde ich ab und an gefragt. Die Antwort ist für mich relativ einfach: Männer sind besondere Menschen. Männer eben. Sie sind anders als Frauen. Sie haben eine andere, eben männliche Erziehung und spätere Sozialisation „genossen“. Und so richtig verstanden werden Männer eh nur von anderen Männern, weil Frauen eine weibliche Sozialisation haben. Aus diesem Grund fällt es weiblichen Coaches manchmal auch etwas schwerer, Männer im Coaching zu verstehen – gerade wenn es um Fragen jenseits der beruflichen Themen geht.

  • Warum haben viele Männer die Tendenz, etwas sprachloser zu sein, vor allem in Beziehung?
  • Warum scheuen sich viele Männer in Beziehungen vor einer klaren Abgrenzung gegenüber ihrer Frauen und versuchen es mit Ablenkungsmanövern?
  • Warum haben Männer meistens wenige Freunde und ein eher verkümmertes privates Umfeld
  • Warum ist es „auf der Arbeit“ oft einfacher, als in Beziehungen?

Das sind die Fragen, die mich im Coaching, speziell bei Männern interessieren. Weil es zum großen Teil auch meine Fragen an mich selbst waren. Und Fragen, mit denen ich selbst in Therapie, Coaching und Selbsterfahrung gegangen bin. Man kann – so eine meiner Arbeitshypothesen – anderen nur helfen, wenn man selbst „nass“ geworden ist. Ich bin mehrmals untergetaucht.

Aus dem Leben
Ich komme aus der Industrie und habe mich zuerst privat über eine Männergruppe und dann immer mehr auch beruflich in Richtung Männercoaching entwickelt. Weil ich Männer verstehe. Und weil ich die meisten Erfahrungen auch schon selbst durchgemacht habe: Weil ich den Druck, der da draußen in Unternehmen herrscht, am eigenen Körper schon erfahren habe und täglich erfahre. Inklusive mehr oder weniger erfolgreicher Lösungsansätze. Und ich komme selbst aus Beziehungen. Einige davon hielten lange inklusive einer ersten Ehe, einige sind zerbrochen oder wurden geschieden. Das alles rundet meinen persönlichen Erfahrungsschatz ab: Ich bin ein Mann, arbeite in der Industrie und bin gleichzeitig auch Beziehungs-Mann mit den Ecken und Kanten, die ein Leben mit sich bringt.

Soweit so gut. Darüber hinaus habe ich meine Lebenserfahrungen. Bin nicht mehr der Jüngste. Und habe mich weitergebildet: Meistens dann, wenn es draußen „eng“ wurde und ich mit meinem bisher eingesetzten Verhaltens- und Handlungsrepertoire nicht mehr weiter gekommen bin. Änderung passiert meistens nur dann, wenn die Wand vor einem so dick ist, dass man sie auch mit der größten Kraftanstrengung nicht mehr verschoben bekommt. Keinen Millimeter weiter.

Das unterscheidet mich vom „normalen Berufsmann“. Und verschafft mir einen gewissen Vorsprung. Den ich wiederum anderen Männern anbiete. Weil mir Männer und ihr Wohlergehen am Herzen liegen und weil ich mich jedes Mal unbändig freue, wenn mein Gegenüber von Mal zu Mal lockerer und entspannter wird. Und weil ich der Ansicht bin, dass es viele Männer etwas schwerer haben, sich frei und gefühlsmäßig zu entfalten. Losgelöst von Wettbewerbsdruck, Existenzangst und permanenter Leistungsbereitschaft. Durch meine Kontakte weiß ich, dass dies auch der Ansatz von vielen meiner Kollegen ist, die speziell mit Männern arbeiten.

Darum geht es in meinem Männercoaching und in den Seminaren
Es geht mir nicht darum, meine Kunden gesellschaftskonform weich zu spülen. Aus Machos Softies zu machen oder umgekehrt. Sondern es geht mir darum, meine Kunden dabei zu begleiten, dass Sie bei sich ankommen, Ihre Themen erkennen, Ihre Herausforderungen annehmen und schon alleine dadurch mehr tägliche Kraft für Ihr Leben zur Verfügung zu haben. Warum das denn? Ganz einfach: Jede Anstrengung, einen Status Quo, der ich nicht bin, aufrecht zu erhalten kostet Kraft. Kraft, die ich dann an einer anderen Ecke nicht mehr habe.

Themen sind unter anderem:

  • Was ist männlich? Wo fängt „Weichei“ an und wo hört „Macho“ auf? Was gibt es dazwischen?
  • Wie gehe ich eigentlich mit meinem eigenen Körper um? Wie sieht es mit Sport aus? Wie mit Suchtverhalten?
  • Männliche Beziehungswelten: Wie schaffe ich in den Partnerschaft den Spagat zwischen Nähe und Distanz?
  • Männliche Berufswelten: Wie finde ich eine Balance zwischen Arbeit, Familie und meinen eigenen Bedürfnissen?
  • Männliche Elternschaft: Meine Rolle als Vater. Und wo bleibe ich als Partner dabei?

Ich verstehe Männercoaching auch als eine Art Mentoring und Training on Life. Ich begleite Männer in ihrem Alltag, nehme mit teil, reflektiere zusammen und provoziere auch.

Von Mann zu Mann
Ich arbeite hier strikt geschlechtsspezifisch. Geschlechtsspezifisch deshalb, weil es bei jedem Mann sprachlose und schweigsame Momente gibt. Manchmal mehr, als er selbst an sich mag. Und genau diese Momente entdecke ich zusammen mit meinen Kunden und halte sie auch gemeinsam aus, so dass sich die Worte aus der Stille heraus entwickeln können.

Und nach meiner Erfahrung: Je klarer die eigene Sozialisation mit all den Verletzungen und Höhepunkten nachvollzogen werden kann, umso klarer wird der aktuelle Standpunkt als Mann und Mensch. Und von diesem Standpunkt aus kann mit maximaler Handlungsfreiheit der eigene Weg begangen werden.

Für Männer, nicht gegen Frauen
Wichtig: Meine Arbeit richtet sich explizit nicht gegen Frauen, Weiblichkeit oder Feminismus, sondern ist eine Arbeit für Männer und für Männlichkeit. Ich verstehe Männlichkeit als die eine Seite der Medaille, die nur mit Weiblichkeit vollständig ist. So geht es mir nicht darum, Männer gegen Frauen in Stellung zu bringen – vielmehr mache ich meinen Kunden Mut, in dieser vielfältigen und bunten Welt ihren eigenen, persönlichen Weg zu gehen; ihr ganz individuelles Rollenmodell als Mann zu entwerfen und selbstbewusst zu leben.

Mit meiner Arbeit überwinden wir zusammen das Täter-Opfer-Denken und schaffen Perspektiven für ein männliches Leben in Klarheit, Mut, Humor und Selbstwirksamkeit.

Volker Hepp
Über Volker Hepp 4 Artikel
Volker Hepp, Jahrgang 1962, lebt mit Frau und Tieren (2 Hunde, 2 Pferde) am Ammersee, westlich von München.

Ich wandere zwischen zwei Welten, die mir beide gleich wichtig sind: Auf der einen Seite seit über 20 Jahren Key Account Manager in der IT; auf der anderen Seite seit 15 Jahren als Coach, der sich auf die Themen Burnout-Prävention, Paartherapie und Persönlichkeitsentwicklung spezialisiert hat. Was mich besonders geprägt hat, waren neben meiner NLP-Ausbildung die dreijährige Weiterbildung zum Somatic Experiencing-Practitioner (Traumaverarbeitung) und zwei weitere Ausbildung in Richtung Bindung- und Entwicklungstraumen.

Wahlmöglichkeit – den eigenen Lebensweg selbstbestimmt zu gehen, ist eine große Herausforderung, aber auch ein lohnendes Ziel! Coaching und die Arbeit mit persönlichen und beruflichen Herausforderungen sind dabei eine Möglichkeit, zu diesem Ziel der Selbstbestimmung und der persönlichen Wahlmöglichkeit zu gelangen. Gerade Ihre Wahlmöglichkeit zu jedem Zeitpunkt Ihres erwachsenen Lebens liegt mir dabei besonders am Herzen.

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