Männer im Schoß von Mutter Erde

Ein informativer und kompetenter Artikel von Jack Silver

Foto: Tom Süssmann

Das Schwitzhüttenritual, eine großartige Möglichkeit für Männer, mit Mutter Erde in Verbindung zu treten und sich als Sohn der Erde neu zu gebären.

Im Folgenden gehe ich davon aus, das der Leser ein ungefähre Idee davon hat, was eine Schwitzhütte ist.

Traditionelles
Manche Traditionen berichten davon, dass ursprünglich nur Männer in die Schwitzhütte gingen. Es wird gesagt, dass die Frauen durch ihre monatliche Blutung einen starken Reinigungsprozess durchlaufen, tief mit Mutter Erde verbunden sind ihr auf diese Weise ganz hingeben. Gleichwohl schenken die Frauen ihr Blut an die Erde, teilen unserer Mutter so mit, was mit uns Menschen gerade los ist und was wir brauchen. Dadurch dass die Frauen in „Ihren Tagen“ sehr offen und empfindsam sind, bekommen sie von Mutter Erde Botschaften, was diese von uns Menschen braucht. Die zusätzliche Reinigung in einem Schwitzhüttenritual schien nicht notwendig zu sein. Die Frauen hatten ihre eigenen Rituale, die sie in der Zeit des Mondblutes feierten.

Hingabe ohne Verletzung
Im Unterschied zu den Frauen, die in der fruchtbaren Zeit ihres Lebens natürlicherweise bluten, ist es bei Männern anders, sie bluten nur aus einer Wunde oder Verletzung heraus. Um mit Mutter Erde in Kontakt zu treten, sollte sich kein Mann verletzen oder sein Blut opfern, auch wenn das in manchen Traditionen in ritueller Weise auch heute noch üblich ist. Hier gehen die Menschen davon aus, dass ein Mensch nichts besitzt, was er opfern könnte, außer seinem Körper, denn alle Dinge stellt uns Mutter Erde einfach nur zur Verfügung.

Selbst unser Körper ist eine Leihgabe von Mutter Erde, die unserer Seele erlaubt, aus ihren Elementen ein brauchbares Gefährt zu manifestieren, welches uns dient, ein Leben lang Erfahrungen körperliche und physische Erfahrungen zu sammeln.

Traditionen
Vielleicht gab es tatsächlich Zeiten, in denen vorwiegend Männer in die Schwitzhütte gingen, heute ist es anders. Wir schwitzen einmal nur unter Männern und ein anderes Mal mit unseren Schwestern zusammen und beide Varianten sind kraftvoll und heilsam.

Wie Schwitzhüttenrituale oder -zeremonien abgehalten werden, unterscheidet sich von Traditionen zu Tradition und es gibt mehr oder weniger Vorgaben oder gar Dogmen, wie eine Schwitzhütte zu zelebrieren ist. Hierzu gibt es ein sehr gutes Buch von Gerhard Popfinger „Die Schwitzhütte“ indem ausführlich, detailreich und unterhaltsam über Geschichte und Handhabung von Schwitzhüten zu lesen ist.

Wir ehren und achten die unterschiedlichen Herkunftslinien der Schwitzhüttenrituale und vergessen in keinem Ritual, diese zu erwähnen und für das überbringen des Wissens zu danken.

Ahnung
Meine Ahnung, wie die Schwitzhütte „wieder“ in unsere Breiten kam ist folgende:
Mit der Besiedlung von Amerika nahmen unsere Schamanisch – matriarchal geprägten Urahnen ihre Rituale und Bräuche mit. Schamanisch bedeutet auch immer den Umständen, dem Land, der Geografie, dem Klima und der Natur angepasst. Mit der Schwitzhütte im Gepäck durchreisten die Menschen Amerika und über die Jahrtausende änderten sich die Rituale. Im Süden Nordamerikas oder in Mittelamerika oder gar Südamerika herrschen damals wie heute teilweise deutliche klimatische Unterschiede. Ganz sicher sieht ein Schwitzhüttenritual in Alaska anders aus als in Guatemala und im tropischen Regenwald gab es vermutlich nur noch sehr abgewandelte Schwitzrituale.

In den letzten Jahrzehnten öffneten sich die Indigenen Völker Nord -und Südamerikas ihren ehemaligen weißen Eroberern und Peinigern mit dem Geist, dass das alte Wissen für uns Bleichgesichter enorm wichtig ist und wir von den Natives lernen müssen.

So kam die Schwitzhütte „wieder“ zu uns und darf sich nun, ganz schamanisch, neu in unseren Breiten einnisten und im Geiste der neuen Zeit weiterentwickeln.

Mehr als ein Reinigungsritual
Unserer Erfahrung nach geht die Wirkung und Dimension eines schamanischen Schwitzhüttenrituales weit über den reinigenden Aspekt hinaus. Sie sind sowohl körperlich, emotional, spirituell wie sie auch den mentalen Aspekt berühren. Als Schwitzhüttenleiter mit 28 Jahren Erfahrung gestalte ich die Schwitzhütten der Kriegerschule auf schamanische und undogmatische Weise, so dass die Rituale sehr unterschiedlich, sowohl in Art und Weise als auch in der Zeitdauer, ausfallen. In diesem Selbstverständnis ist der Versuch vollkommen unangebracht, die eine Schwitzhütte identisch der Anderen zu gestalten.

Basis Alchemie
Zu beschreiben was während einer Schwitzhütte geschieht, wäre ein ambitioniertes Unterfangen. So unterschiedlich die Rituale sind, so unterschiedlich sind die Erfahrungen und genau so verhält es sich mit der Unterschiedlichkeit und Individualität eines jeden Menschen.
Es gibt natürlich einige sehr klare und grundlegend wichtige Bestandteile einer SH.
Die Elemente von Mutter Erde bilden, so wie alles, was unsere materielle Welt ausmacht, die Grundlage der Zeremonie. Das Element Feuer erhitzt die Steine. Das Element Erde (nicht zu verwechseln mit unserem Planeten, der Mutter Erde) und mit ihm die Mineralwelt, kommt durch die heißen Steine in die Hütte. Das Element Wasser kühlt die Steine wieder ab und es entsteht der heiße Dampf, der uns das Element Luft deutlich wahrnehmen lässt.
Das Gerüst der SH schenkte uns die Pflanzenwelt, meist sind es Weiden, Haselnuss oder auch Ebereschen. Die Tierwelt ist oft durch Hirschgeweihe oder Büffelhörner zum aufgießen oder den Federn verschiedener Vögel präsent. Die Menschenwelt sitzt in diesem Gebilde und möchte mit all den Anderen in Verbindung und Einklang kommen.

Eintauchen in das Weibliche
Wenn wir uns nackt und voller Vertrauen in den Schoß von Mutter Erde begeben, in der Dunkelheit dieses Kammer die glühenden Steine begrüßen, voller Erwartung und Respekt auf die ersten Aufgüsse warten und mit den ersten Dampfschwaden in Berührung kommen, beginnt die Reise zu sich selbst, zu Mutter Erde und zu den höheren Mächten. Die Schwitzhütte ist ein sehr weibliches Ritual, auch wenn manche Teilnehmer sie zum Kampfgebiet gegen Hitze, Dunkelheit und Enge erklären. In der Gebärmutter tuen wir gut daran, unsere alltäglichen männlichen Kampfhandlungen einzustellen und uns in der weiblichen Hingabe zu üben. Wer gegen den heißen Dampf kämpft erzeugt Reibung und somit noch mehr Wärme, … wie blöd …
Wer gerne die Kontrolle behalten möchte, bekommt mit einem Schwitzhüttenritual einen kraftvolle Lehrerin, loslassen ist angesagt.

Männerschwitzhütte
Aufguss für Aufguss wird das Bewusstsein als Sohn der Erde geweckt und wir vergessen, dass uns unser Körper und die daraus folgende Sozialisation im Besonderen, zum „Mann machte“.
Natürlich bewohnen wir einen Menschlichen Männerkörper, doch ist jeder Menschen-Körper aus der Frau geboren und alle Körper dieser Erde sind aus Mutter Erde heraus geboren.
Körper = weiblich, egal welche Geschlechtsmerkmale ihn prägen.

In guter Beziehung zu sich selbst
Cool bleiben Burschen bzw. keine Sorge, das bedeutet nun keinesfalls, dass Mann nach einer Männerschwitzhütte seine Männlichkeit verloren hat. Im Gegenteil, die Kraft des Bewusstseins ein Sohn der Erde zu sein bringt eine natürliche und ursprüngliche Selbstverständlichkeit und Beziehung zu sich selbst hervor. Männerkörper bleibt Männerkörper und in 98% aller Fälle ist das auch keine Frage.

Sich als Mann auch als Sohn der Erde zu definieren, dazu braucht es mehr als das, was die meisten Männer in ihrem Leben so treiben. „Das Männliche“ zu entfalten gehört im gleichen Maße dazu wie die Auseinandersetzung mit „dem Weiblichen“ in jedem Mann.

Aus schamanischer Sichtweise ist das eine klare Sache und es ist auch keine Diskussion wert.

Wert ist es, sich als ganzheitliches, balanciertes Wesen zu entfalten, sich aus der Enge der gesellschaftlichen Zwänge und Verhaltensweisen zu befreien und zur eigenen Natur zurück zu finden.

Wohlwollende Umgebung
Männerschwitzhütten bieten einen beschützten Rahmen und eine wohlwollende Umgebung für jeden, der sich seinem Selbstwachstum gewidmet hat. Männer unter sich äußern sich anders, erzeugen eine andere Schwingung und sind freier, als in gemischten Gruppen, das hat jeder Mann schon erfahren, egal ob in spirituellen Zusammenhängen oder bei einem anderen Männertreffen.

Über Jack Silver 4 Artikel
Jack Silver ist der Gründer der Kriegerschule und leidenschaftlicher Männer-Arbeiter. Er ist der Initiator der „Bruderschaft der Kraftstabträger“, die sich selbst als Bruderschaft der „Krieger des Herzens“ versteht. Es ist ihm ein großes Anliegen die persönliche Entwicklung von Männern zu fördern. Jack Silver verfolgt mit seiner Männerarbeit den Ansatz der Verwirklichung des ganzheitlichen, balancierten Mannes.

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