Archetypen und ihre Bedeutung für unsere Entwicklung | Teil 4 Der Krieger

Erkenne und nutze deine Möglichkeiten.

Foto: user:Zadok_Artifex | Pixabay

Krieger

Spannungsfeld: Aggression, Hingabe

Essenzaspekt: Wille

Bei diesem Archetyp geht es im Kern darum, sich mit seinem Willen und Handeln in den Dienst des Großen Ganzen zu stellen, also dem Wohle aller zu dienen. Anders ausgedrückt: Wir sollen unsere Bestimmung, unsere Vision erkennen und ihr folgen. Das Handeln des Kriegers ist nicht egozentriert, sondern er dient etwas Höherem und damit auch der Gemeinschaft. Bestimmung liegt immer im Dienen, darin, das Leben eines anderen besser zu machen. Für den reifen Krieger ist das Leben seiner Vision mit voller Lebensenergie das Wichtigste im Dasein. Seine Talente helfen ihm dabei. Er geht auf das Leben zu, er zieht sich niemals von ihm zurück.

Hindernisse, unsere Vision, unsere Lebensaufgabe zu finden?

Viele Menschen fragen sich, weshalb sie überhaupt hier auf der Erde sind und was der Sinn ihres Daseins ist. Oftmals leben sie auch in für sie unbefriedigenden Umständen (z.B. Arbeit, Beziehung, soziales Umfeld). Das Leben schenkt uns jeden Tag sehr viel, also geht es darum, dem Leben etwas zurückzugeben und dadurch dem Großen Ganzen zu dienen. Wenn ich Männer frage, was ihre Vision, ihre Lebensaufgabe ist, erlebe ich meistens nur Achselzucken; sie wissen es einfach nicht. Das hat seine Ursache in unserer Konditionierung, die wir seit frühester Kindheit erfahren haben und die es zu überwinden gilt. Die dafür erforderliche Angriffslust des Kriegers ist eine Haltung gegenüber dem Leben, die wach macht, kräftigt und motiviert. Sie treibt uns zur Offensive, zur Preisgabe einer defensiven oder „Halte“-Position gegenüber den Aufgaben und Schwierigkeiten des Lebens. Ein wichtiger Teil der Konditionierung ist die Tatsache, dass bei vielen Männern der innere Krieger niedergemacht wurde.

Bly schreibt dazu: „Wenn ein Junge in einer gestörten Familie aufwächst, wird seinen inneren Kriegern früh der Garaus gemacht. Mythologisch betrachtet, erheben die Krieger ihr Schwert, um den König zu verteidigen. Der König in einem Kind verkörpert und verteidigt die Stimmungen des Kindes. Doch wenn wir Kinder sind, werden unsere Stimmungen in den verkorksten Familien leicht von den mächtigeren, dominanteren und schrecklicheren Stimmungen der Eltern überrollt und hinweggefegt. Man kann sagen, dass die inneren Krieger, wenn sie unsere Stimmung nicht vor der Zerstörung bewahren können oder unseren Körper gegen die Invasion verteidigen, zusammenbrechen, in Trance verfallen oder sterben.1

Im Zuge unserer Konditionierung verändert sich unser Ego. Wir entfernen uns dadurch von unserer Natur, die uns alles zur Verfügung stellt, um uns optimal zu entwickeln. Wir verlieren den Kontakt zu ihr und erleben fast ausnahmslos, dass das Ego uns sagt: „Ich bin,

  • was ich habe,
  • was ich tue,
  • was andere von mir denken (der gute Ruf),
  • von allem anderen Leben getrennt,
  • von allem, was ich mir wünsche getrennt und
  • abgeschnitten von Gott

Dr. Wayne W. Dyer hat das in seinem sehr sehenswerten Film „Shift – Das Geheimnis der Inspiration“ (https://www.youtube.com/watch?v=QyTVksIdp2Q) eindrucksvoll dargestellt.

Zum ursprünglichen Zweck unseres Egos habe ich übrigens in meinem ersten Artikel dieser Reihe zu den Archetypen bereits etwas geschrieben.

Alle Glaubenssätze und Verhaltensmuster, also unsere gesamte Struktur (Ego), die wir im Laufe des Lebens entwickelt haben, sind in unserem Unterbewusstsein abgespeichert, wobei dieses zu weit über 90 Prozent unser Handeln bestimmt.

Was hilft uns, unsere Vision zu finden?

Damit das, was wir dem Leben schenken möchten, in unser Bewusstsein kommt, brauchen wir Kontakt zu unserem Großen Willen. Der Große Wille kommt aus unserem höheren Selbst, also dem Göttlichen in uns. Doch wie können wir damit in Kontakt kommen? Dazu ist es erforderlich, zu unserer Natur zurückzukehren, was bedeutet, sich dem Leben zu öffnen statt zu versuchen, es zu kontrollieren oder kontrollieren zu lassen, vollständig Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen und darauf zu vertrauen, dass alles, was wir für unser Leben brauchen durch die Schöpfung bereits in uns angelegt ist und wir somit die Lösung für alles und ein riesiges Potential bereits in uns haben.

Was können wir konkret tun, um mit unserer Bestimmung, unserem inneren Ruf in Kontakt zu kommen?

Wie bereits angeführt, bestimmt das Unterbewusstsein zu weit über 90 % unser tägliches Handeln. Viele Dinge tun wir entweder automatisch oder aus Angst. Ein Beispiel für egogesteuerte Angst ist der Glaube, nicht mehr geliebt oder gemocht zu werden, wenn wir nicht so sind bzw. uns nicht so verhalten, wie andere uns gerne hätten, und Menschen, die ihren Selbstwert über ihr Handeln definieren, können sich meistens nicht vorstellen, dass sie geliebt werden, wenn sie nichts tun, das ihnen Bestätigung von anderen einbringt. All diese Ängste sind gegen das Göttliche in uns gerichtet und wie inzwischen aus  Forschungen bekannt ist, völlig irrational. Angst ist die zerstörerischste Kraft überhaupt, noch viel mehr als Hass. Liebe ist die wahre Realität, denn sie ist die Einheit mit dem inneren Gott; Angst ist etwas, das euer Verstand aufgebaut hat und ist deshalb irreal (Christ Michael Aton von Nebadon).

Wir müssen also unser Unterbewusstsein verändern. Das geht nicht mit willentlicher Anstrengung, sondern indem wir geeignete Werkzeuge benutzen. Detaillierte Information über funktionierende Methoden findest Du unter https://christ-michael.net/esus-werkzeugkiste-heilung-auf-der-ursachenebene/ und https://christ-michael.net/aus-pj-34-der-zugang-zum-unterbewusstsein-und-zum-goettlichen/.

Unterstützen können wir den Prozess der Verbindungsherstellung zu unserem höheren Selbst durch spezielle Bioenergetische Übungen, die ich den Männern im Projekt vermittel.

Es geht somit um Heilung, damit wir wieder zu unserem wahren Selbst, unserer Natur finden. Heilung ist jedoch nicht nur auf uns selbst beschränkt sondern umfasst etwas Grösseres, das grösser ist als unser ich. Die Hingabe an dieses Größere ist laut dem amerikanischen Mythenforscher Joseph Campbell die Eigenschaft des Helden. Der innere Held ist das Potential eines jeden menschlichen Wesens, dem Impuls zu etwas Größerem zu folgen. Es ist die grundlegende Eigenschaft des Helden, dem inneren Ruf zu folgen 2.

Zu unserer Natur zurückzufinden erfordert Mut, unter anderem den Mut Ängste und Hindernisse zu überwinden. Deshalb macht auch kein Mann die Heldenreise allein, sondern immer im Kreis von Männern, die ihm gleichen, ihn verstehen, unterstützen und auffangen wenn nötig. Letztendlich gibt es aber keinen anderen Weg, um heil und ganz zu werden. Der deutsche Schriftsteller und Nobelpreisträger Hermann Hesse hat dies sehr schön beschrieben: „Es gibt für jeden keinen anderen Weg der Entfaltung und Erfüllung, als den der möglichst vollkommenen Darstellung des eigenen Wesens. „Sei Du selbst“ ist das ideale Gesetz, es gibt keinen anderen Weg zur Wahrheit und Entwicklung.3

Joseph Campbell hat es so ausgedrückt: „Der Held ist der Vorkämpfer des schöpferischen Lebens. 2“

Ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zu sich selbst besteht darin, die eigenen Gedanken zu beobachten und so zu ändern, dass sie der Entwicklung des wahren Selbst dienen. Dadurch verändert sich dein Leben auch.

Wenn Du dich auf das Leben einlässt, dich also dem Strom des Lebens vollständig hingibst, was loslassen alter Glaubenssätze und Verhaltensmuster sowie das Überwinden von Angst erfordert, kommst Du an einen Punkt, wo Du von etwas geleitet wirst, das grösser ist, als Du selbst und Du dich inspiriert fühlst. Du wirst Veränderung auch daran erkennen, dass Du Dinge nun anhand deiner Gefühle und Intuition beurteilst, statt mit dem rationalen Verstand. Wenn Du willst, dass sich alle Türen in deinem Leben öffnen, höre nicht auf das, was das Ego sagt!

Dieser Weg zurück zur eigenen Natur lohnt sich in jedem Fall, weil das authentische Selbst weit über das Ego hinausgeht und wir damit unsere geistig/seelische Entwicklung maximal fördern.

Lass mich noch darauf hinweisen, dass das Machen kleiner Erfahrungen und diese zu nutzen auch wichtig ist; es geht nicht nur um die Grossen. Visionen können auch durch kleine Erfahrungen kommen.

Aggression und Hingabe

Das Spannungsfeld dieses Archetypen liegt zwischen Aggression und Hingabe. Der Begriff Aggression ist in unserer Gesellschaft weitgehend negativ belegt, weil er schnell mit gewalttätigem und zerstörerischem Verhalten in Verbindung gebracht wird. Vom Wortursprung aus dem Lateinischen her von „aggredī“ kommend, meint dieses Wort jedoch eine Energie, die wir aufbringen müssen, um überhaupt irgend etwas zu erreichen und ist somit wertneutral.

Aggression ist für Männer lebenswichtig, denn angemessene Aggressivität zur rechten Zeit ist oft schon der halbe Sieg.

Ohne Aggression können wir auch nicht schöpferisch tätig sein und somit unsere Vision nicht leben und der Welt schenken. Unsere Schöpfungen sind die Ergänzung zur  Schöpfung der Frau, welche vor allem darin besteht, neues Leben zu schenken. Der Mann hat nicht vergleichbares. Umso wichtiger ist es, dass wir zu unserer wahren Natur zurückkehren, was uns erst ermöglicht, unsere Bestimmung zu erkennen und zu leben.  Das Leben ist auf Gleichgewicht ausgerichtet. Wer die Natur beobachtet, wird feststellen, dass diese stets versucht, im Gleichgewicht zu sein. Sie macht uns also vor, wie wir leben sollten.

Etwas Höherem zu dienen, kann natürlich auch erfordern, zu kämpfen. Ebenso für uns selbst müssen wir manchmal kämpfen, um uns zu schützen und insgesamt gut für uns zu sorgen. Das höchste Ziel des Kriegers ist es jedoch, auf das Schwert im Herzen und das Schwert in der Hand zu verzichten. Sei dir jedoch deiner Kräfte und Ressourcen bewusst. Wenn Du merkst, dass Du den Widerstand kämpfend nicht überwinden kannst oder willst, gehe in die Hingabe. Wenn Du einmal fällst, stehe wieder auf und gehe deinen Weg weiter.

Der spirituelle Lehrer Eckhart Tolle hat sehr schön beschrieben, was Hingabe ist: Er sagt, es kann passieren, dass Du in eine Situation gerätst, die für dich absolut nicht in Ordnung ist. Dann hast Du folgende Verhaltensmöglichkeiten: Versuche zuerst, die Situation zu verlassen. Ist das nicht möglich, schaue ob Du sie so verändern kannst, dass sie für dich akzeptabel wird. Ist beides nicht möglich, gehe in die Hingabe. Das bedeutet, für den Moment keine Energie mehr in den Kampf zu geben, weil Du dich dabei nur aufreiben würdest und meint, die Situation im Jetzt, also nur den aktuellen Augenblick so anzunehmen, wie sie ist! Ist dir das nicht möglich, kommt der sich meldende Widerstand vom Ego. Trotz allem bleibt der Krieger wachsam und wartet geduldig auf seine Chance.

Hingabe hat jedoch auch noch eine tiefere Ebene. Hingabe ist die einfache und zugleich tiefe Weisheit, sich dem Fluss des Lebens anzuvertrauen statt sich ihm zu widersetzen.

Weitere wichtige Qualitäten des Kriegers

Die Disziplin, Standhaftigkeit, Stabilität und Entscheidungskraft des Kriegers helfen uns, der Risikobereitschaft und Wildheit des Wilden Mannes eine Richtung zu geben. Der Krieger ist durch Training des Geistes in der Lage, klar zu denken und zu unterscheiden. Somit verfügt er über die Klarheit stets eine Wahlmöglichkeit zu haben und ist sich deshalb bewusst, welchen Preis zu zahlen er für das bereit ist, was er tun will.

Der Krieger kennt seine eigenen Stärken und Schwächen. Er beherrscht ebenso die Anwendung von Strategie und Taktik, wenn er sein Ziel nicht auf direktem Weg erreichen kann.

Der Krieger setzt seine Energie zielgerichtet und entschlossen, gegebenenfalls auch blitzschnell ein. Des weiteren sucht er den Kontakt zu seiner Umwelt und ist bereit, Konflikte auszutragen, auch wenn er diese nicht gezielt herbeiführt.

Ein sehr wichtiger Punkt sind Grenzen. Der Krieger kennt seine eigenen Grenzen, respektiert und kommuniziert diese. Wähle deine Grenzen jedoch mit Bedacht. Sorge also dafür, dass Du bei Überschreitung deiner Grenzen durch andere nicht gleich mit dem Rücken an der Wand stehst, sondern noch einen Handlungsspielraum hast. Der Krieger hat ebenso Respekt vor den Grenzen anderer und allem Leben.

Lass mich noch darauf hinweisen, dass ein Krieger kein Soldat ist. Der Begriff „Krieger“ wird in unserer Gesellschaft nahezu nicht benutzt. Das hängt damit zusammen, dass dieses Wort mit zerstörerischer, nicht legitimierter Gewallt assoziiert wird, was jedoch einem positiv entwickelten inneren Krieger überhaupt nicht entspricht. Ein Soldat ist jemand, der seinen Willen an ein System abgegeben hat, was ein Krieger niemals tun würde.

Die Schattenseite des Kriegers

Echte Männer sind nicht mutwillig gewalttätig oder streitsüchtig. Wenn Du jedoch die Schattenseite deines inneren Kriegers lebst, läufst Du Gefahr beispielsweise folgende Eigenschaften bzw. Neigungen zu entwickeln:

  • Sadismus,
  • Masochismus,
  • Kinderpornographie,
  • sexueller Missbrauch,
  • Kriege,
  • Starrheit,
  • blinder Gehorsam gegenüber sogenannten Obrigkeiten,
  • Amokläufe,
  • Verhaften in schädigenden Abhängigkeiten,
  • Verachten von Schwäche

Literaturempfehlungen

  • 1) Eisenhans, Robert Bly, Rowohlt Taschenbuch Verlag, 6. Auflage 2010, ISBN 978-3-499-62015-7
  • 2) Der Heros in tausend Gestalten, Joseph Campbell, Suhrkamp Verlag, 1. Auflage 1978
  • 3) Eigensinn macht Spaß, Hermann Hesse, Insel Verlag, 12. Auflage 2020, ISBN 978-3-458-34556-5
Über Wilhelm Breßer 5 Artikel
Wilhelm Breßer, Jahrgang 1956, ist Gründer und Inhaber der Maheo-Männerakademie (www.maheo.de) sowie von Maheo – Institut für Ganzheitliches Leben (www.maheo.de) in Hennef.

Wilhelm lebt mit seiner Ehefrau und ihren Tieren (2 Pferde, 1 Kater) am Rande des Westerwaldes auf einem wunderschönen natureingebundenen Platz mit Selbstversorgergarten.

Heute arbeitet er als Mentor und Ganzheitlicher Berater für Menschen, vor allem für Männer. In der Männerarbeit ist er seit über 10 Jahren aktiv. Das Leben hat ihn auf teilweise verschlungenen Pfaden und über Krisen dahin geführt, dies heute zu machen, denn es ist das, was er als seine Berufung und seine Seelenaufgabe versteht, wonach sein Herz schreit. Wilhelm ist für seine Lebenskrisen dankbar, denn sonst wäre er heute nicht dort, wo er jetzt ist. Sie haben ihn unter anderem dahin geführt, seine männliche Identität und seine Vision zu finden und diese heute aus vollem Herzen zu leben.

Tätigkeitsschwerpunkte:
• Männerinitiationen
• Männergruppen
• Schwitzhüttenzeremonien für Männer und Frauen
• Medizinradarbeit

„Es ist mir ein Herzensanliegen, die seelisch/geistige Entwicklung von Männern zu fördern.“

Weitere Profile von mir im Internet:
YouTube-Kanal: Maheo-Männerakademie
XING-Profil >
XING Coaches-Profil

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*