Walter Mauckner über Zipat

Ein Bericht von Walter Mauckner, Gründer und Leiter von ZIPAT

Foto: Pixabay | Bluesnap

Zur Entwicklung von ZIPAT:
ZIPAT bedeutet „Zentrum für initiatisch-phänomenologische Arbeit und Therapie“.

Die inhaltlichen Wurzeln dazu sind : Therapie – Initiation – Spiritualität.
Diese Wurzeln haben etwas mit meiner Geschichte zu tun. Es ging los mit der spirituellen Ebene Ende der 60iger Jahre. Spiritualität ist in einem völlig freien Sinn zu verstehen und bezieht sich auf die östlichen und westlichen Weisheitslehren. Initiation und Therapie kamen später dazu. Im Laufe der Zeit haben sich die drei Aspekte miteinander verbunden und haben den initiatischen Ansatz von Zipat hervorgebracht. Den Begriff „Initiatisch“ habe ich von Graf Dürkheim übernommen. Inhaltlich ist der Initiatisch-phänomenologische Ansatz eine besondere Form der Verbindung von Therapie, Inititation und Spiritualität. Zum initiatischen Teil gehören auch die Archetypen und Rituale.

Siehe hierzu auch: www.zipat.de/Therapie–Initiation-Spiritualitaet

Der Begriff ZIPAT hat sich Mitte der 90er Jahre aus einer Vision heraus gebildet. Dies geschah auf einer gemeinsamen Reise mit meinem Kollegen und Freund Axel Schmidt.
Die Entwicklung des Männerprojektes ist von der Entwicklung von ZIPAT nicht zu trennen. Die initiatische Arbeit, die sich schon früh entfaltet hat, bezog sich – im Sinne der Polarität betrachtet – auf das Männliche und Weibliche und auch darauf, wie diese Pole sich unterscheiden. Axel und ich haben uns in diesem Kontext intensiver mit männlicher Initiation befasst und sind auf Robert Bly`s wunderbares Buch „Eisen Hans“ und auf den von Joseph Campbell beschriebenen Monomythos in seinem Buch „der Heros In 1000 Gestalten“ gestoßen. In dieser Zeit (Mitte der 90iger Jahre) ist das Männerprojekt entstanden und hat sich Schritt für Schritt weiter entwickelt…..siehe dazu im Buch „Selbsterfahrung Mann“ von Andreas Schick auf S.28.

Wir sind immer mit dem gegangen, was sich zeigte, mit offenem Gewahrsein und phänomenologischer Einstimmung und natürlich mit viel Forschergeist. Im Spannungsfeld zwischen Form geben und strukturieren einerseits und Raum lassen und geschehen lassen andererseits ist das Männerprojekt entstanden wie es heute ist, und es entwickelt sich immer weiter. Dabei spielen die Teilnehmer eine große Rolle. Sie sind an der Entwicklung genauso beteiligt wie wir. In der Interaktion mit den Teilnehmern modifizieren wir das Projekt. So ist das Männerprojekt ein lebendiger Organismus und wir bleiben so frei wie möglich in der phänomenologischen Einstimmung, sodass wir dem Projekt nicht unsere eigenen Vorstellungen von der Wirklichkeit aufdrücken.

Was verstehen wir unter Männerarbeit und Mann sein:
Im Kern geht es darum, dass ein Mann sich fragt: „Wer bin ich?“. Fragt ein Mann „Wer bin ich?“, dann fragt er auch: Wer bin ich als Mann? „Wie bin ich Mann?

Wir verstehen unter Männerarbeit, dass ein Mann sich die Frage in dieser Ganzheit stellt, wie bin ich als männlicher Mensch. Wir müssen unsere männliche Identität erforschen, um ganz Mann zu werden. Wir wollen Klarheit gewinnen über das, was das Männliche in uns ausmacht, ohne uns in Konzepten und Schlagwörtern zu verlieren. Dazu brauchen wir eine gewisse Schulung, sonst bleibt man leicht am Äußeren hängen, an seiner äußeren Identität. Deswegen fragen wir nach dem Wesen. Wir fragen, was ist seine Identität als Mann und was ist das Wesenhafte in ihm – das, was über deine personale Form und Struktur, über den Charakter hinaus geht in eine tiefere Erfahrungsebene der Seele?

Wir gehen mit den Männern einen Weg über sieben Schritte, in dem jeder Mann einen vertieften Kontakt zum Wesen (Essenz) seines Mannseins erwirkt und sich auch auf der Ebene seiner Persönlichkeit, seines Charakters und seines äußeren Auftretens, klarer wahrnehmen lernt und sich entwickeln kann.

Ein Mann ist ein Mann in der Weise, wie er sich in Hinsicht auf Persönlichkeit und Charakter als auch in Bezug auf sein Wesenhaftes in den 7 Aspekten vertieft hat und ganz er selber geworden ist. Das ist ein differenzierter Vorgang, der nicht in Schlagwörter zu fassen ist. In den 7 Archetypen (und den zugehörigen sieben Essenzen) faltet sich das ganze Spektrum des Menschseins in männlicher Weise auf. Ein Mann geht auf seine Weise dieser Entfaltung nach und wird auf Qualitäten treffen, die ihm in seinem Männlichen eigen sind und das unabhängig davon, wie alt er ist. Männer in unserer Gesellschaft erhalten heute wenig Unterstützung durch angemessene Schulung und Rituale auf ihrem Weg ins Mann Sein.

Das Männerprojekt heißt „Die Heldenreise des Mannes“; das ist ein mythologischer Begriff, den wir bewusst gewählt haben. Das bedeutet: ein Mann bricht auf, um sich selbst zu finden, sein Wesen zu erkennen und ganz zu werden. Das wird auch in den Mythologien aller Kulturen ähnlich beschrieben. Es geht um das tiefe Seelenbild, das uns zugrunde liegt: die Bewegung der Seele hin zu sich selbst. Die Heldenreise dient nicht nur dem Einzelnen, sondern geschieht zum Wohle der Gemeinschaft und des Ganzen.

Das Männerprojekt ist eine komprimierte, durchgeformte Heldenreise über ca. eineinhalb Jahre und umfasst 7 Treffen unterschiedlicher Länge (3-5 Tage), insgesamt 29 Tage. Etwa 20 Männer durchlaufen die sieben Initiationen und sind dabei unterstützt von 2-3 Leitern und 3-4 Assistenten. Zu den jeweiligen Treffen wird ausführliches Material zur Vor- und Nachbereitung zur Verfügung gestellt.

Ein Teil des Projektes ist, dass sich die Männer verpflichten, sich zwischen den Projektabschnitten in lokalen Untergruppen zu treffen und einen „Buddy“ zu wählen. Das ist aus der Erfahrung entstanden, dass Männer in der Zeit zwischen den Projektabschnitten leicht in das alte Muster des „Einzelkämpfers“ zurückfielen und so ihren Prozess unterbrachen. Die Männer lernen jetzt, sich schon während des Projekts in Gruppen zusammenzufinden, Freundschaften zu entwickeln, sich zu verbinden/vernetzen und sich gegenseitig zu unterstützen.

Ca. 700 Männer (Stand 2016) haben bisher das Projekt durchlaufen. Im Projekt entstandene Verbindungen entwickeln sich oft zu tiefen Freundschaften, die jahrzehntelang halten. Viele Männer treffen sich nach den Projekten in ihren Gruppen weiter, oder formen eigene Gruppen und werden in der einen oder anderen Weise in der Männerarbeit aktiv oder wirken im Rahmen von Zipat mit. Die im Projekt gemachten Erfahrungen und Erkenntnisse werden von den Männern als große Ressource für ihr Leben beschrieben. Das Projekt hat eine sehr nachhaltige Wirkung.

Zukunft
Wir haben inzwischen ein eigenes Seminarzentrum. Bislang begannen wir mit 2 Projekten jährlich, eines im Frühjahr und eines im Herbst. Aufgrund der großen Nachfrage starten wir seit 2015 drei Projekte im Jahr. Dazu haben wir Männer ausgebildet, die auch als Co-Leiter in den Projekten mitwirken. Viele Männer, die die Projekte durchlaufen haben und als Assistenten Projekte begleitet haben, bieten in ihren Städten eigene Männergruppen an, die im Sinne von ZIPAT arbeiten. Das ist auch eine Weise, wie es weiter geht. Es geschieht von selbst und wir unterstützen das.

Wir sind nur ein kleiner Teil eines größeren Feldes und stellen fest, dass sich der Geist, der den Männerprojekten zugrunde liegt, auch mehr und mehr im Kollektiv auf unterschiedliche Weise manifestiert. Die Entwicklung und Selbstentfaltung des Männlichen wird mehr und mehr zu einem gesellschaftlichen Thema.

Walter Mauckner
Über Walter Mauckner 2 Artikel
Walter Mauckner Jahrgang 1950, Gründer und Leiter von ZIPAT
Walter arbeitet seit 1986 in Freier Praxis für Körperpsychotherapie, entwickelte den initiatisch-phänomenologischen Ansatz und das Männerprojekt `Die Heldenreise des Mannes`.

Weitere Schwerpunkte seiner Arbeit sind: Seminare und Weiterbildungen zu den Themen: Körperpsychotherapie, Wesen und Charakter, spirituelle Praxis, Traumatherapie, Visionssuche, Familienstellen, Mann-Frau-Polarität.

In seinem Leben widmete er sich seit 1969 der Praxis und dem Studium westlicher und östlicher Weisheitslehren sowie der transpersonalen Psychologie, insbesondere des Diamant Approach von A.H. Almaas. Kontemplations- und Meditationspraxis bei verschiedenen Lehrern, Zen bei P. Willigis Jäger (Kyo-un Roshi).

Aus- und Weiterbildungen in tiefenpsychologisch orientierter Körpertherapie, Bioenergetik, Craniosacraltherapie, Posturale Integration, Feldenkrais, Tao Yoga. Pädagogikstudium, Heilpraktiker-Zulassung seit 1986

"Die Entdeckung und Entfaltung des Wesens hinter der äußeren Form ist für mich das größte Abenteuer."

1 Kommentar

  1. Lieber Walter,
    ich freue mich sehr, dass eine hervoragende Männer-Arbeit wie die von ZIPAT im MännerPortal.Net vertreten ist. Durch euer Vater-Sohn-Wochenende bin ich erstmals 2006 mit der Energie im Kreis der Männer in Kontakt gekommen. 🙂

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