Was würde ich machen, wenn ich ein Grundeinkommen hätte?

Eine gute Frage, gestellt von Andreas Görner

Foto: Pixabay | martaposemuckel

Vor ein paar Wochen habe ich Geld für die Plattform www.mein-grundeinkommen.de gespendet. Die Frage, was ein gerechtes Einkommen ist, beschäftigt mich schon lange. Unter den Vorschlägen, die öffentlich diskutiert werden, hat mich das Grundeinkommen für jeden am stärksten fasziniert. Meistens gibt es zwei Einwände dagegen. Erstens, die Menschen werden faul, wenn sie Geld bekommen ohne zu arbeiten. Zweitens, ein solches Grundeinkommen ist nicht finanzierbar. Ich hatte keine Lust, mich in endlose und meist auch sinnlose Diskussionen zu verstricken, sondern wollte mich zunächst einmal den Fakten nähern. Dabei bin ich auf die Initiative Mein Grundeinkommen gestoßen, die eine Art Test-Grundeinkommen verlost. Wer gewinnt, erhält ein Jahr lang jeden Monat 1.000,- € und wer von Gewinnern bereit ist, berichtet auf der Plattform über seine Erfahrungen. Das fand ich einleuchtend genug, um mein Schärflein beizutragen.

Interessanterweise sagen bei Befragungen die meisten Menschen, dass sie auch mit Grundeinkommen weiter arbeiten würden, Nur eben freier, entspannter und vielleicht etwas weniger. Genauso interessant ist, dass eben so viele Menschen annehmen, dass die anderen sich mit einem Grundeinkommen auf die faule Haut legen würden. Bis zum Praxistest bleibt also offen, ob Selbst- und Fremdbild hier zueinander passen.

Für mich ist diese Frage nicht so entscheidend, denn das haben wir auch schon heute mit unserem System, in dem sich angeblich nur Leistung lohnt. Nur etwa die Hälfte der Bundesbürger arbeitet für ihr Einkommen. Alle anderen werden alimentiert aus ganz unterschiedlichen Systemen. Rente und Pensionen, Erbschaften, Hartz IV, Elterngeld, Krankengeld, diverse Zuschüsse und Beihilfen und vieles mehr. All diesen Systemen ist gemeinsam, dass sie neben dem selbst eingezahlten Geld mit Steuergeldern aufgefüllt werden. Nur wird es selten offen so genannt. Hinzu kommt, dass diese Leistungen stets mit einem hohen Prüfungs- und Verwaltungsaufwand verbunden sind. Ich bin selbständig und jede übermäßige Reglementierung und Umverteilung ist mir suspekt. Das Grundeinkommen für jeden schafft auch keine heile Welt, aber es ist einfach, transparent und relativ fair. Deshalb bin ich dafür, es schrittweise einzuführen.

Woher soll das Geld kommen?  Das ist in der Tat nicht ganz einfach zu beantworten und ich recherchiere mich langsam an eine Antwort heran. Fest steht nur, es wird nicht aus der bisherigen Besteuerung des Arbeitseinkommens stammen, denn diese Steuer ist heute schon extrem ungerecht und wird es immer mehr. Gerade in Zeiten zunehmender Automatisierung und Globalisierung. Wahrscheinlich wird es auf eine deutliche höhere Mehrwertsteuer hinauslaufen, die entgegen allen Behauptungen die gerechteste aller Steuern ist und zudem am schwersten zu hinterziehen. Trotzdem wird es hier noch viel kreative Ideen brauchen, um eine tragfähige Finanzierung und eine schrittweise Umsetzung auszuarbeiten.

Für den Augenblick geht es mir darum, die Gedankenblockade „Das geht einfach nicht“ zu hinterfragen und Alternativen denkbar zu machen. Denn die größte Bürde für unsere freie und demokratische Gesellschaft ist die politische Feststellung, „das ist alternativlos“. Alternativlos ist nur, dass jede Gesellschaft ihre Zukunft immer wieder neu denken muss und auch das Unmögliche für möglich erachtet.

Deshalb werde ich auch weiter für gute Initiativen zum Grundeinkommen spenden und meine kleinen Überlegungen zur großen Idee beitragen.

Andreas Görner
Über Andreas Görner 1 Artikel
Andreas Görner, Jahrgang 1961 lebt in der Nähe von Mainz und in Luxembourg.

"Meinen Lebensunterhalt verdiene ich ich als selbständiger Produzent von Filmen, Animationen, Büchern und anderen Medien, vor allem zum Thema Gesundheit. Zum Glück lässt mir das noch Freiraum, um für mich als Mann und auch zusammen mit meiner Frau als Ehemann einige meiner Herzensangelegenheiten zu verwirklichen.

Dazu gehören verschiedenste Arten der Prozeßarbeit, wie die Atemtherapie (AKE nach Rosmarie und Ulrich Lipp), die Real Happiness Arbeit nach Paul Ferrini, naturverbundene Rituale wie die Schwitzhütte und natürlich die Männerarbeit im MKP.

Besonders am Herzen liegt mir (und auch meiner Frau) die Arbeit als Permakultur Gestalter, also die Fruchtbarkeit der gesunden, lebendigen Erde, des Bodens und der Reichtum der Ernte ohne Dünger und Pestizide. Unser kleiner Beitrag, damit alle Menschen in Frieden satt werden."

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