Ein Beispiel für kontinuierliche, rituelle Männerarbeit

Ein Beitrag aus der Kriegerschule

Foto: Jack Silver

Wenn es nicht mehr reicht, von Männer-Seminar zu Männer-Seminar zu hüpfen

Wer schon des Öfteren Trainings, Seminare oder andere rituelle Zusammenkünfte besucht hat weiß, dass die Gruppenenergie dort immer hoch ist und dass das Absinken dieser Kraft die Tage danach sich richtig mies anfühlt. Oft geht es einem hinterher manchmal gefühlt sogar schlechter als vor so einer Zusammenkunft.

Einige Männer, welche immer wieder zu den Feuertänzen und Männer-Zusammenkünften der Kriegerschule kamen, wollten die erlebte Kraft und die Erkenntnisse mehr in ihr Leben integrieren. Die tiefe, herzliche, einfache und ehrliche Verbindung unter Männern, welche an den Wochenenden stets hervorgebracht wurde, sollte nicht so schnell wieder abebben und die Pläne, die Mann sich vorgenommen hat mochten erinnert werden.

So wurde im Juni 2005 die Bruderschaft der Kraftstabträger aus einer Sehnsucht heraus geboren.

Anliegen von regelmäßigen Treffen
Die 14-tägigen Treffen der Bruderschaft dienen dazu, die erlebte und geliebte, heilsame und tiefe Energie unter Männern zu halten und das Absaufen in die bekannten Dramen und alten Muster zu verhindern oder zumindest zu verringern.

Eines der wichtigsten Anliegen der Bruderschaft ist das persönliche Voranschreiten, Weiterentwickeln und „so werden wie Jeder (Jeder groß) gedacht ist“ jedes Bruders. Mann ist sich gegenseitig verpflichtet und erinnert sich an Gesprochenes, Vorgenommenes oder Versprochenes.

Um Mitglied der Bruderschaft zu sein braucht es keinen finanziellen Einsatz.

Verbindlichkeit schafft Verbindung
Grundprinzip der Bruderschaft ist die Verbindung und Verbindlichkeit. Die Brüder verpflichten sich, den 14 tägigen Treffen beizuwohnen. Wer aus wirklich gutem Grund nicht dabei sein kann, teilt dies den Brüdern vor den Treffen mit.

Das ist ein hoher Einsatz, den viele Männer nicht bringen möchten oder können. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass genau diese Kontinuität ein ungewöhnlich tiefes Vertrauen schafft und sich die abendlichen Kreise der Bruderschaft so zu intensiven und heilsamen Treffen entwickeln konnten.

Versuche, die Treffen nur einmal monatlich durchzuführen zeigten bald, dass diese Zeitspanne zu groß ist. Sollte ein Mann einmal fehlen, so sind es schon zwei Monate, die zwischen dem Wiedersehen liegen und dieser Zeitraum brachte einen zu großen Abstand.

Desgleichen führt es zu einem Ungleichgewicht, wenn einer nur ab und zu die Treffen besucht. Die Kontinuität in der Beziehung unter den Männern ist so unterbrochen und das Energiehalten bzw. das Steigern der Energie im Kreis der Männer wird deutlich behindert.

Das Ritual
Der rituelle Rahmen ist die Basis der Treffen, sie ermöglicht es den Raum zu halten und ein Gefäß zu erschaffen, was die heilsamen und wahrhaftigen Begegnungen ermöglicht. Es gibt ein einfaches Bruderschaftsritual, was von allen Bruderschaften in der gleichen Weise durchgeführt wird. Durch die vertrauten, einfachen rituellen Handlungen entsteht schnell ein geschützter und geborgener Raum, in dem sich Jeder mit dem was gerade präsent ist zeigen kann.

Das Ritual beinhaltet:

  • pünktliche Treffen bei jeder Witterung am jeweiligen Ritualplatz im Freien
  • Legen eines Medizinrades bzw. eines Steinkreises
  • Reinigen des Raumes und der Teilnehmer durch Räucherungen
  • Entfachen eines rituellen Feuers (es werden Gebete gesprochen)
  • Singen von Mantren und schamanische Kraftliedern
  • Sprechstabrunden, bei denen Jeder zu Wort kommt und Keiner unterbrochen wird

Wunden lecken, anerkennen, bekräftigen
Die Bruderschaft ist kein Eliteclub dem nur Helden angehören, obgleich es schon heldenhaft ist, sich kontinuierlich alle 14 Tage zu treffen.

Mann ist mal bestens gelaunt und voller Kraft und ein anderes Mal deprimiert und niedergeschlagen. Mann kommt als glänzender Gewinner zu den Treffen oder aus einer verlorenen Schlacht. Wer eine fette Show abzieht wird bald enttarnt und wer sich klein macht ebenfalls.

Mann wird gesehen und anerkannt, so wie Mann eben gerade ist. Diese Anerkennung ist Nährstoff und wird von allen Menschen gleichermaßen gebraucht. Unter Männern sind diese konkurrenzlosen Spiegel Gold wert.

Richtig und falsch wird nicht verwendet
Egal was ein Mann mit an das Bruderschaftsfeuer bringt, er wird weder verurteilt wenn er  etwas falsch gemacht hat, noch wird er auf einen Thron gehoben. Das Mitgefühl der Brüder ist einem gewiss und das bekommt Mann deutlich zu spüren.

Wer Mist gebaut hat, darf sich in der Bruderschaft zeigen und es wird respektvoll und fair mit ihm umgegangen.

Kein Chef
Ein Bruderschaftskreis hat weder  einen Leiter noch einen Chef. Es gibt jedoch die Funktion des Feuerhüters der dafür sorgt, dass das Feuer der Absicht brennt und die Grundprinzipien der Bruderschaft eingehalten werden. Er ist die spirituelle Instanz der Bruderschaft. Der Feuer-Hüter ist seinen Brüdern und dem Geist der Bruderschaft in hohem Maße verpflichtet, er hütet die Idee Bruderschaft.

In allen bestehenden Bruderschaften sind es jedoch fasst alle Brüder, die den Werten und Prinzipien dankbar und verpflichtet sind und es deswegen auch nie nur auf einen Mann ankommt, der das Boot auf Kurs hält.

Netzwerk
Es gibt an verschiedenen Orten Bruderschaftsfeuer. Jede Bruderschaft bildet ein kleines Netzwerk aus Männern, die eine tiefe, herzliche, einfache und ehrliche Verbindung leben. Jedes Mitglied einer Bruderschaft der Kraftstabträger hat Zugang zu einer anderen Bruderschaft, egal an welchem Ort. Wer das Ritual kennt, findet sich schnell in einen anderen Bruderschaftskreis ein und so kommt es immer wieder zu erfreulichen gegenseitigen Besuchen.

Mitglieder
Mitglied in dieser speziellen Bruderschaft kann jeder Mann werden, der die Initiation zum Kraftstabträger an einem Feuertanz mitgemacht hat. Gelegenheit hierzu geben mehrmals im Jahr die Männertrainings des „Söhne der Erde Zyklus“ der Kriegerschule.

Grundsätzlich können neugierige Männer an den Bruderschafts-Treffen so lange teilnehmen, bis eine Entscheidung, der Bruderschaft beizutreten oder nicht mehr an den Treffen teilzunehmen, reif geworden ist. Entschließen sie sich Mitglied zu werden, verpflichten sie sich, am nächst möglichen Feuertanz teilzunehmen.

Jede Bruderschaft entscheidet selbst, wie lange ein Mann „auf Probe“ dem Kreis beiwohnen kann. Die Brüder ermutigen die Einsteiger, eine kraftvolle Entscheidung zu treffen, die weder gewertet noch beeinflusst wird. Jede Entscheidung bringt Kraft, jedes Zögern verschleißt Energie.

Hüterkreis der Bruderschaft
Der Hüterkreis der Bruderschaft besteht aus Männern, denen der Bruderschaftsgedanke viel wert ist und die sich für das Reifen und Wachsen dieser Bruderschaft einsetzen. Sie tragen die Erfahrungen aus den verschiedenen  Bruderschaften zusammen, geben Impulse und weben das Netz der Brüder weiter.

Nach dem Vorbild verschiedener Stammeskulturen gibt es im Hüterkreis einen Ältesten, welcher in diesem Fall der Dienstälteste mit der meisten Erfahrung ist. Er hat eine reflektierende und beratende Stellung, ähnlich eines Moderators. Er gibt Impulse und bringt sich mit seiner Erfahrung und Kompetenz ein.

Der Hüterkreis organisiert zweimal jährlich ein Zeitgeisttreffen, welches die Bruderschaften zusammenführt und auf den neuesten Stand bringt.

Der Stallgeruch
Oben beschriebene Bruderschaft möchte ein Beispiel sein, wie es gehen kann.

Ganz sicher gibt es eine Menge Ställe, in denen sich Männer weiterentwickeln und gegenseitig bekräftigen. Der gemeinsame Stallgeruch erleichtert es natürlich sehr, einen regelmäßigen Kreis zu installieren und dort schnell zur Sache zu kommen.

Doch finden erfahrungsgemäß auch Männer zur Bruderschaft, die sich von der Regelmäßigkeit und Kontinuität beeindruckt und gerufen fühlen.

Einer muss die Mütze aufsetzen
Es ist ebenfalls eine Erfahrung, dass sich neue Bruderschaftskreise meist dann bilden, wenn es bei einem Mann besonders geklingelt hat und dessen Sehnsucht angefeuert wurde. Diese Männer bilden das Kernfeuer einer Gruppe, sie können andere Männer anstecken und so einen neuen Kreis initiieren.

Hierbei ist es von großer Kraft, wenn dieser Mann nicht alleine da steht, sondern weiß, dass eine ganze Bruderschaft hinter ihm steht und er sich somit in einem Kraftfeld bewegt, was ihn trägt und stützt.

Jack Silver

Über Jack Silver 2 Artikel
Jack Silver ist der Gründer der Kriegerschule und leidenschaftlicher Männer-Arbeiter. Er ist der Initiator der „Bruderschaft der Kraftstabträger“, die sich selbst als Bruderschaft der „Krieger des Herzens“ versteht. Es ist ihm ein großes Anliegen die persönliche Entwicklung von Männern zu fördern. Jack Silver verfolgt mit seiner Männerarbeit den Ansatz der Verwirklichung des ganzheitlichen, balancierten Mannes.

3 Kommentare

  1. Die Zeit ist im Wandel, ich bin im Wandel. Durch den Zyklus „Söhne der Erde“ bin ich durch eine Tür gegeangen, die mir bis jetzt verschlossen war. Die Arbeit von Jack hilft dabei meine Augen zu öffnen und mit dem Herzen zu sehen. Viele Blockaden wurden aufgelöst oder gelockert. Ich freue mich auf den weiteren Weg zusammen mit den Brüdern der Kraftstabträger und allen die mit uns einen Stück des Weges gehen. Soviel Toleranz und Hingabe gibt es selten doch in der Kriegerschule wird man fündig. Werde der der du sein kannst….Danke und Ahow Thorsten

  2. Ich liebe es mit den Brüdern am Feuer zu sitzen ,unsere Rituale duch zufüren und uns auszutauschen. Über das Welt geschehen oder über pesönliche belange oder über das was grade im Raum steht. Es sind sehr bereichernde Abende

    Aho

  3. Es ist 4 Jahre her, dass ich die Kriegerschule kennengelernt habe. Ich saß in meiner ersten Schwitzhütte. Wenige Wochen später war ich Mitglied der Bruderschaft. Mein Leben hat sich verändert. Viele Männer und Frauen mit offenem Herzen bereichern mein Leben. Heute sehe ich sehr klar meinen Weg vor mir, weiss mich von vielen Menschen begleitet, habe einen neuen beruflichen Weg gefunden und veröffentliche gerade mein erstes Buch. Ich bin sehr dankbar.

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